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Examensvorbereitung

Lernplan fürs Pflegeexamen: die letzten zwölf Wochen klug nutzen

Abrufen statt Wiederlesen, Wiederholung mit Abstand, Fälle statt Folien: ein Zwölf-Wochen-Plan für das Pflegeexamen auf Grundlage der Lernforschung, passend zu Schichtdienst und Vertiefungseinsatz.

  • Lesezeit 11 Min
  • 7 Abschnitte
  • Stand der Quelle Okt 2026
  • Dennis Tefett
Ein Wandkalender mit zwölf Wochen, farbig in vier Abschnitte geteilt, darunter ein Schreibtisch mit Lernkarten und einer Tasse Tee.

Artikel

Inhalt dieses Beitrags7 Abschnitte · 10 Min.

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Zwölf Wochen sind mehr, als es sich anfühlt

Zwölf Wochen vor dem Examen beginnt bei vielen Auszubildenden die Unruhe. Der Vertiefungseinsatz läuft, der Dienstplan ist voll. Der Stoff aus drei Jahren liegt in Ordnern, Heften und auf dem Handy verstreut. Der Prüfungsbeginn soll nicht früher als drei Monate vor dem Ende der Ausbildung liegen (§ 11 Abs. 1 Satz 2 PflAPrV). Wer zwölf Wochen vor dem ersten Prüfungstag mit einem Plan beginnt, hat einen überschaubaren Zeitraum vor sich.

Dieser Artikel zeigt, wie Sie diese Zeit nutzen. Er stützt sich auf gut belegte Befunde der Lernforschung und übersetzt sie in einen Plan, der neben Schichtdienst funktioniert. Der Plan selbst ist ein Vorschlag, keine Vorgabe. Passen Sie ihn an Ihre Prüfungstermine und Ihr Leben an.

Was die Lernforschung sagt

Eine Auszubildende fragt sich mit Lernkarten selbst ab, die beantworteten Karten liegen auf zwei Stapeln.

Abrufen schlägt Wiederlesen

In zwei bekannten Experimenten lernten Studierende kurze Sachtexte. Ein Teil las die Texte wiederholt, ein anderer las sie und schrieb danach ohne Unterlagen auf, was er behalten hatte. Nach fünf Minuten schnitt die Gruppe mit wiederholtem Lesen besser ab. Nach zwei Tagen (erstes Experiment) und nach einer Woche (beide Experimente) behielt dagegen die Gruppe mehr, die abgerufen hatte (Roediger und Karpicke 2006). Im zweiten Experiment schätzten die Studierenden, die viermal gelesen hatten, ihr späteres Behalten am höchsten ein. Genau das macht die Falle aus: Wiederlesen fühlt sich gut an, weil der Text vertraut wirkt. Vertrautheit ist aber nicht Erinnern.

Für Ihre Vorbereitung heißt das: Jede Lerneinheit endet mit einem Abruf. Decken Sie die Lösung ab, beantworten Sie Fragen, erklären Sie einen Fall laut, schreiben Sie aus dem Kopf eine Gliederung. Erst danach vergleichen Sie mit dem Lehrbuch.

Wiederholen mit Abstand

Wer denselben Stoff verteilt über mehrere Lerntermine wiederholt, behält ihn länger als nach einer langen Sitzung am Stück. Eine Metaanalyse über 317 Experimente zeigt außerdem: Der günstigste Abstand zwischen zwei Lernterminen wächst mit der Zeit, die das Wissen halten soll (Cepeda und andere 2006). In einer großen Folgestudie mit mehr als 1.350 Teilnehmenden lag der günstigste Abstand bei etwa 20 bis 40 Prozent der Zeit bis zum Test, wenn der Test eine Woche später stattfand. Fand er ein Jahr später statt, waren es etwa 5 bis 10 Prozent (Cepeda und andere 2008).

In der Studie wurden Fakten gelernt, keine Pflegefälle. Die Werte gelten für diese Bedingungen. Als Merkhilfe für zwölf Wochen lässt sich daraus ableiten, vereinfacht gesagt: Wiederholen Sie ein neues Thema nach wenigen Tagen, dann nach etwa einer Woche, dann nach zwei bis drei Wochen. Diese Staffel ist eine eigene Ableitung, keine Zahl aus der Studie. Ob Abstände wachsen oder gleich bleiben sollten, beantworten die genannten Arbeiten nicht abschließend.

Eine große Übersichtsarbeit hat zehn verbreitete Lerntechniken bewertet. Selbst abfragen und verteiltes Wiederholen erhielten die beste Bewertung, „high utility“. Zusammenfassen, Markieren, Merkwörter, bildhafte Vorstellung und Wiederlesen wurden als wenig nützlich eingestuft. Die Autorinnen und Autoren empfehlen ausdrücklich, Wiederlesen durch Selbsttests zu ersetzen (Dunlosky und andere 2013).

Themen mischen

Viele lernen Thema für Thema: erst eine Woche Herz, dann eine Woche Diabetes. Beim gemischten Üben wechseln die Aufgaben dagegen ab, sodass man bei jeder Aufgabe erst erkennen muss, worum es geht. In einer Studie mit Schülerinnen und Schülern der siebten Klasse schnitten diejenigen, die Mathematikaufgaben gemischt geübt hatten, zwei Wochen später deutlich besser ab (Rohrer und andere 2014). Für Pflegewissen ist dieser Befund nicht eigens geprüft, die Übersichtsarbeit stuft gemischtes Üben als mittel nützlich ein (Dunlosky und andere 2013). Die Idee passt aber gut zur Prüfung: Auch dort steht nicht über dem Fall, welches Thema gefragt ist.

Schlaf gehört zum Lernen

Schlaf begünstigt die Festigung von neu Gelerntem im Gedächtnis, abhängig davon, wie gelernt wurde und wann der Schlaf folgt (Diekelmann und Born 2010). Vereinfacht gesagt: Schlaf ist kein Verzicht auf Lernen, sondern ein Teil davon. Wie viel eine einzelne kurze Nacht kostet, lässt sich aus der Übersicht nicht beziffern. Unsere eigene Empfehlung für den Schichtdienst, sie stammt nicht aus der Übersicht: Planen Sie Lerneinheiten so, dass danach Schlaf folgen kann. Vermeiden Sie vor wichtigen Prüfungstagen Nachtdienste, wenn sich das einrichten lässt.

Lerntypen: eine Vorliebe, kein Rezept

Viele Auszubildende haben gelernt, sie seien „visuelle“ oder „auditive“ Lerntypen. Eine umfassende Übersichtsarbeit kommt zu dem Schluss, dass es derzeit keine ausreichende Evidenz gibt, Unterricht nach solchen Lernstilen auszurichten. Vorlieben gibt es durchaus. Es fehlt aber der Nachweis, dass Lernen besser gelingt, wenn die Methode zur Vorliebe passt (Pashler und andere 2008). Wählen Sie die Methode nach dem Stoff: Anatomie mit Abbildungen, Pflegeplanung am Fall, Kommunikation im Gespräch.

Der Plan: vier Abschnitte in zwölf Wochen

Die Abschnitte sind eine Merkhilfe. Wichtiger als die genaue Grenze ist, dass Sie in jeder Woche abrufen, wiederholen und an Fällen arbeiten.

  1. Schritt 1

    Wochen 12 bis 10: Überblick und Lücken

    Ordnen Sie Ihre Themen den drei Prüfungsteilen und den Kompetenzschwerpunkten zu. Testen Sie sich in jedem Themenblock mit zehn Fragen und markieren Sie, was nicht sitzt. Legen Sie einen Wochenplan an, der zu Ihrem Dienstplan passt.

  2. Schritt 2

    Wochen 9 bis 6: Fälle und Wiederholung

    Bearbeiten Sie je Woche mindestens einen Fall pro Aufsichtsarbeit, wechselnd zwischen Altersstufen und Versorgungsbereichen. Wiederholen Sie die Themen aus den Vorwochen mit Fragen, nicht mit Lesen. Beginnen Sie mit einer Lerngruppe für die mündliche Prüfung.

  3. Schritt 3

    Wochen 5 bis 2: Prüfung unter Echtbedingungen

    Schreiben Sie je Aufsichtsarbeit mindestens eine Probe in 120 Minuten. Üben Sie die mündliche Prüfung an einem Fall mit zwei Personen als Prüfende. Planen Sie mit Ihrer Praxisanleitung eine Generalprobe der praktischen Prüfung.

  4. Schritt 4

    Woche 1: Festigen und ruhen

    Kein neuer Stoff mehr. Kurze Abrufrunden zu den eigenen Schwachstellen, Organisatorisches klären, ausreichend schlafen. Die Woche dient der Sicherheit, nicht dem Aufholen.

Eine Woche im Schichtdienst

Die Befunde zum verteilten Lernen sprechen für kurze, häufige Einheiten statt seltener langer Sitzungen. Im Schichtdienst lässt sich das zudem leichter unterbringen. Ein Beispiel für eine Woche mit Früh- und Spätdiensten und zwei freien Tagen:

TagEinheitInhalt
Frühdienst-Tage2 × 25 Minuten am NachmittagAbrufrunde zu einem Thema der Vorwoche, dann ein neues Thema mit Fragen am Ende
Spätdienst-Tage25 Minuten am VormittagLernkarten zu Arzneimitteln oder Recht, nur abrufen
Erster freier Tag2 × 50 MinutenEin Fall für eine Aufsichtsarbeit, schriftlich mit Gliederung
Zweiter freier Tag60 Minuten am Vormittag, danach freiLerngruppe: ein mündlicher Fall, Rollen tauschen; der Rest des Tages ist Pause

Diese Aufteilung ist ein Beispiel aus der Begleitung von Auszubildenden, kein Normwert. Wer Kinder betreut oder Nachtdienste hat, verschiebt die Einheiten, behält aber die Regel bei: kurz, oft, mit Abruf.

Fallarbeit für die drei Prüfungsteile

Drei Auszubildende üben in einer Lerngruppe eine mündliche Prüfungssituation, eine spricht, zwei hören zu und machen Notizen.

Die drei Aufsichtsarbeiten prüfen festgelegte Kompetenzschwerpunkte, die Fälle sollen sich nach Altersstufe, sozialem und kulturellem Umfeld und Versorgungsbereich unterscheiden (§ 14 Abs. 1 und 2 PflAPrV). Bauen Sie Ihre Fallsammlung deshalb nach diesem Raster auf. Die mündliche Prüfung erstreckt sich nur auf die Kompetenzbereiche III, IV und V (§ 15 Abs. 1 PflAPrV), dort üben Sie Teamarbeit, Recht, Qualität, Evidenz und Berufsrolle an einem Fall. Für die praktische Prüfung zählt der Vertiefungseinsatz selbst als Lernort. Mehr dazu im Artikel Das Pflegeexamen verstehen.

Prüfungsangst ernst nehmen

Aufregung vor einer Prüfung ist normal. Erfahrungsgemäß wird sie leichter, wenn die Situation vertraut ist: Probeprüfungen unter Zeitdruck, mündliche Übungen vor anderen und eine Generalprobe der praktischen Prüfung nehmen der Prüfung ihre Fremdheit. Wenn die Angst Sie über Wochen am Schlafen oder Lernen hindert, sprechen Sie mit Ihrer Schule. Bei einer Behinderung oder Beeinträchtigung kann ein Nachteilsausgleich beantragt werden, spätestens mit dem Antrag auf Zulassung (§ 12 Abs. 2 PflAPrV).

Für Ihren Plan

  • Prüfungstermine und Zulassungsfristen mit der Schule klären und eintragen.
  • Jedes Thema einem Prüfungsteil zuordnen, Lücken mit einem Selbsttest finden.
  • Jede Lerneinheit mit einem Abruf beenden, nicht mit dem Zuklappen des Buchs.
  • Wiederholungen über Tage und Wochen verteilt einplanen.
  • Je Aufsichtsarbeit mindestens eine Probe unter Zeit schreiben.
  • Eine Lerngruppe für die mündliche Prüfung finden.
  • In der letzten Woche schlafen statt pauken.

Übungsfälle und Prüfungsthemen finden Sie in der Examensvorbereitung. Wie die praktische Prüfung abläuft, zeigt der Artikel Die praktische Prüfung in der Pflege.

Quellen

  1. Roediger, H. L. und Karpicke, J. D. (2006): Test-Enhanced Learning. Taking Memory Tests Improves Long-Term Retention. Psychological Science 17 (3), 249 bis 255.
  2. Pashler, H., McDaniel, M., Rohrer, D. und Bjork, R. (2008): Learning Styles. Concepts and Evidence. Psychological Science in the Public Interest 9 (3), 105 bis 119.
  3. Cepeda, N. J., Pashler, H., Vul, E., Wixted, J. T. und Rohrer, D. (2006): Distributed Practice in Verbal Recall Tasks. A Review and Quantitative Synthesis. Psychological Bulletin 132 (3), 354 bis 380.
  4. Cepeda, N. J., Vul, E., Rohrer, D., Wixted, J. T. und Pashler, H. (2008): Spacing Effects in Learning. A Temporal Ridgeline of Optimal Retention. Psychological Science 19 (11), 1095 bis 1102.
  5. Dunlosky, J., Rawson, K. A., Marsh, E. J., Nathan, M. J. und Willingham, D. T. (2013): Improving Students' Learning With Effective Learning Techniques. Promising Directions From Cognitive and Educational Psychology. Psychological Science in the Public Interest 14 (1), 4 bis 58.
  6. Rohrer, D., Dedrick, R. F. und Burgess, K. (2014): The Benefit of Interleaved Mathematics Practice Is Not Limited to Superficially Similar Kinds of Problems. Psychonomic Bulletin and Review 21 (5), 1323 bis 1330.
  7. Diekelmann, S. und Born, J. (2010): The Memory Function of Sleep. Nature Reviews Neuroscience 11 (2), 114 bis 126.
  8. Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Pflegeberufe (PflAPrV), §§ 11, 12, 14, 15, zuletzt geändert durch Art. 9 G v. 22.12.2025 (BGBl. 2025 I Nr. 371). Amtliche Fassung, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 02.10.2026.

Der Weg in die Fortbildung

Wissen aus dem Artikel, geübt im Kurs: live mit Dennis Tefett, an Fällen aus Ihrem Alltag.

Wissen vertiefen, im Kurs anwenden

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