Prüfungsrelevante Krankheitsbilder im Überblick
Stoffwechsel und endokrine Erkrankungen
1. Diabetes mellitus
Pathophysiologie: Typ 1 autoimmune Zerstörung der Betazellen mit absolutem Insulinmangel. Typ 2 Insulinresistenz und relativer Insulinmangel. Symptome: Polyurie, Polydipsie, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Wundheilungsstörungen. Pflege: Blutzuckerkontrolle, Insulintherapie-Überwachung, Hypoglykämie-Erkennung (Schwitzen, Zittern, Verwirrtheit), Fußinspektion, Ernährungsberatung, Schulung zur Selbstmanagement-Kompetenz.
2. Anämie
Pathophysiologie: Verminderung der Erythrozyten oder des Hämoglobins mit reduzierter Sauerstofftransportkapazität. Häufigste Form: Eisenmangelanämie. Symptome: Blässe, Müdigkeit, Dyspnoe, Tachykardie, Schwindel, Konzentrationsstörungen. Pflege: Vitalzeichenkontrolle, Sturzprophylaxe, eisenreiche Ernährung fördern, Medikamentengabe überwachen, Belastung anpassen, Laborwerte kontrollieren.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
3. Herzinsuffizienz
Pathophysiologie: Das Herz kann den Körper nicht mehr ausreichend mit Blut versorgen. Unterscheidung in Links- und Rechtsherzinsuffizienz. Symptome: Dyspnoe (besonders bei Belastung und im Liegen), Ödeme, Nykturie, Leistungsminderung, Lungenödem bei Linksherzversagen. Pflege: tägliche Gewichtskontrolle, Flüssigkeitsbilanzierung, Oberkörperhochlagerung, Vitalzeichenüberwachung, Medikamentenmanagement, Aktivitätsanpassung.
4. Hypertonie
Pathophysiologie: Chronisch erhöhter arterieller Blutdruck (systolisch ≥ 140 mmHg und/oder diastolisch ≥ 90 mmHg). Meist primäre (essenzielle) Hypertonie ohne identifizierbare Ursache. Symptome: Oft asymptomatisch (stiller Killer), Kopfschmerzen, Schwindel, Nasenbluten, Sehstörungen bei hypertensiver Krise. Pflege: regelmäßige Blutdruckmessung, Medikamenteneinnahme sichern, Lebensstilberatung, salzarme Ernährung, Stressreduktion.
5. Thrombose
Pathophysiologie: Bildung eines Blutgerinnsels in einem Gefäß, meist tiefe Beinvenenthrombose (TVT). Virchow-Trias: Endothelschaden, Hyperkoagulabilität, Stase. Gefahr der Lungenembolie. Symptome: Schwellung, Rötung, Überwärmung, Spannungsgefühl, Wadendruckschmerz (Meyer-Zeichen), Wadenschmerz bei Dorsalflexion (Homans-Zeichen). Pflege: Thromboseprophylaxe (Mobilisation, Kompression, Antikoagulation), Beininspektion, Bewegungsförderung.
6. Apoplex (Schlaganfall)
Pathophysiologie: Akute Durchblutungsstörung des Gehirns ischämisch (85 %) durch Gefäßverschluss oder hämorrhagisch (15 %) durch Hirnblutung. Symptome: plötzliche Hemiparese, Sprachstörungen (Aphasie), Gesichtslähmung, Bewusstseinsstörungen, Schluckstörungen (Dysphagie). Pflege: FAST-Schema zur Erkennung, Vitalzeichenüberwachung, Dysphagiescreening, Mobilisation, Kontrakturprophylaxe, Unterstützung der Rehabilitation.
Atemwegs- und Lungenerkrankungen
7. COPD
Pathophysiologie: Chronisch obstruktive Lungenerkrankung mit irreversibler Atemwegsobstruktion. Hauptursache: Rauchen. Kombination aus chronischer Bronchitis und Lungenemphysem. Symptome: chronischer Husten, Auswurf, Belastungsdyspnoe, im Verlauf Ruhedyspnoe, Fassthorax, Zyanose. Pflege: atemerleichternde Lagerung (Kutschersitz), Lippenbremse, Inhalationstherapie, Sauerstoffgabe (cave: CO2-Retention), Infektprophylaxe, Ernährungsunterstützung.
8. Pneumonie
Pathophysiologie: Entzündung des Lungengewebes, meist bakteriell (Pneumokokken), viral oder aspirationsbedingt. Risikogruppen: ältere Menschen, Immunsupprimierte, immobile Patienten. Symptome: Fieber, produktiver Husten, Dyspnoe, Tachypnoe, Schmerzen beim Atmen, abgeschwächtes Atemgeräusch. Pflege: Vitalzeichenkontrolle, V.A.T.I.-Lagerung, Atemübungen, Sekretmobilisation, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Pneumonieprophylaxe bei bettlägerigen Patienten.
Neurologische und psychiatrische Erkrankungen
9. Demenz
Pathophysiologie: Progressiver Verlust kognitiver Fähigkeiten. Alzheimer-Demenz (60 bis 70 %): Ablagerung von Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen. Vaskuläre Demenz: Durchblutungsstörungen des Gehirns. Symptome: Gedächtnisstörungen, Orientierungsverlust, Wortfindungsstörungen, Persönlichkeitsveränderungen, im Verlauf Verlust der Alltagskompetenz. Pflege: Validation, Biographiearbeit, strukturierter Tagesablauf, Orientierungshilfen, Sturzprophylaxe, wertschätzende Kommunikation.
10. Depression
Pathophysiologie: Multifaktorielle Genese mit neurobiologischen (Neurotransmitter-Dysbalance), psychologischen und sozialen Faktoren. Symptome: gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Appetitveränderungen, Konzentrationsprobleme, Suizidalität. Pflege: Beziehungsaufbau, aktivierende Pflege ohne Überforderung, Suizidrisiko einschätzen, Medikamenten-Compliance sichern, Tagesstruktur, Gesprächsangebote, Angehörigeneinbindung.
11. Parkinson
Pathophysiologie: Degeneration dopaminerger Neuronen in der Substantia nigra mit Dopaminmangel im Striatum. Symptome: Kardinalsymptome Rigor (Muskelsteifheit), Tremor (Ruhetremor), Akinese/Bradykinese (Bewegungsarmut), posturale Instabilität. Begleitsymptome: Mikrographie, Maskengesicht, Schluckstörungen, Depression. Pflege: Medikamentengabe pünktlich und exakt, Sturzprophylaxe, Schlucktraining, Bewegungsförderung, Geduld bei verlangsamten Abläufen.
Weitere prüfungsrelevante Erkrankungen
12. Dekubitus
Pathophysiologie: Druckschädigung von Haut und Gewebe durch anhaltende Kompression, die die Kapillardurchblutung unterbricht. Klassifikation nach EPUAP: Grad I (nicht wegdrückbare Rötung) bis Grad IV (Knochen, Sehnen oder Muskeln sichtbar). Pflege: Risikoeinschätzung (Braden-Skala), regelmäßige Lagerung (Mikro- und Makrolagerung), Druckentlastung, Hautpflege, Ernährungsoptimierung, Wundmanagement bei bestehendem Dekubitus.
13. Niereninsuffizienz
Pathophysiologie: Chronischer Verlust der Nierenfunktion (GFR-Abnahme) mit Retention harnpflichtiger Substanzen. Stadien I bis V (Stadium V = terminale Niereninsuffizienz, Dialysepflicht). Häufige Ursachen: Diabetes, Hypertonie. Symptome: Ödeme, Übelkeit, Juckreiz, Müdigkeit, Elektrolytstörungen, Anämie, Knochenschmerzen. Pflege: Flüssigkeitsbilanzierung, Gewichtskontrolle, diätetische Beratung (Kalium, Phosphat, Eiweiß), Dialysevorbereitung und -begleitung.
14. Arthrose
Pathophysiologie: Degenerative Gelenkerkrankung mit fortschreitendem Knorpelabbau. Häufig betroffen: Knie (Gonarthrose), Hüfte (Coxarthrose), Finger. Risikofaktoren: Alter, Übergewicht, Fehlbelastung. Symptome: Anlaufschmerz, Belastungsschmerz, Gelenksteifigkeit, Bewegungseinschränkung, Krepitation. Pflege: Schmerzmanagement, Bewegungsförderung, Gelenkschutzberatung, Hilfsmittelversorgung, Gewichtsmanagement, Wärme-/Kältetherapie.
15. Wundheilungsstörungen
Pathophysiologie: Verzögerte oder gestörte Wundheilung durch lokale Faktoren (Infektion, Durchblutungsstörung, Fremdkörper) oder systemische Faktoren (Diabetes, Mangelernährung, Immunsuppression, Alter). Symptome: verzögerte Heilung, Rötung, Schwellung, Sekretbildung, Wunddehiszenz, Nekrosen. Pflege: Wundbeurteilung (Größe, Tiefe, Belag, Exsudat), phasengerechte Wundversorgung, Dokumentation, Ursachenbekämpfung, Ernährungsoptimierung.
Erstellen Sie für jedes Krankheitsbild eine Karteikarte mit vier Feldern: (1) Definition und Pathophysiologie in eigenen Worten, (2) die fünf wichtigsten Symptome, (3) drei bis fünf pflegerische Maßnahmen und (4) eine typische Prüfungsfrage zum Üben. Arbeiten Sie die Krankheitsbilder nicht isoliert, sondern in Zusammenhängen: Wie hängen Diabetes, Niereninsuffizienz und Wundheilungsstörungen zusammen? Welche Patienten haben ein erhöhtes Pneumonierisiko? Diese Querverbindungen werden im Examen besonders gerne geprüft.
Kann ich für jedes der 15 Krankheitsbilder die Pathophysiologie in eigenen Worten erklären?
Kenne ich die Leitsymptome und kann sie von ähnlichen Erkrankungen abgrenzen?
Kann ich für jede Erkrankung mindestens drei spezifische pflegerische Maßnahmen benennen?
Verstehe ich die Zusammenhänge zwischen den Krankheitsbildern (z. B. Diabetes und Wundheilungsstörung)?
Kenne ich die relevanten Assessmentinstrumente (Braden-Skala, NRS, Barthel-Index)?
Kann ich Prophylaxen den jeweiligen Risikoerkrankungen zuordnen?
Bin ich in der Lage, aus einer Fallsituation die pflegerische Priorität abzuleiten?
Testen Sie Ihr Wissen zum Artikel
Die Fragen werden bei jedem Durchgang neu zusammengestellt.
Welche Herzinsuffizienz-Seite führt zu Lungenödem?
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