Übungsfall 1
Tropfen zählen bei der Schwerkraftinfusion
- Situation
- Frau A., 67 Jahre, bekommt auf der Station eine Infusion ohne Pumpe. Das Infusionsbesteck ist ein Standardbesteck. Sie sollen die Rollklemme so einstellen, dass die Infusion in der angeordneten Zeit durchläuft.
- Ärztliche Anordnung
- 500 ml Vollelektrolytlösung i. v. über 4 Stunden.
- Zubereitung
- Fertige Infusionsflasche 500 ml, Standard-Infusionsbesteck: 20 Tropfen entsprechen etwa 1 ml. Beispiel, in Ihrer Einrichtung kann es anders sein.
Wie viele Tropfen pro Minute stellen Sie ein?
Rechenweg und Lösung
- 4 Stunden in Minuten: 4 × 60 = 240 min
- Tropfen gesamt: 500 ml × 20 Tropfen/ml = 10.000 Tropfen
- Tropfen pro Minute: 10.000 / 240 = 41,67, gerundet 42
Lösung: 42 Tropfen/min
Toleranz: 41 bis 42 (41,67 gerundet auf ganze Tropfen)
Übungsergebnis. Keine Grundlage für eine Gabe oder eine Maßnahme.
Typischer Fehler
Die Zeit bleibt in Stunden stehen: 500 × 20 / 4 = 2.500. Die Formel verlangt Minuten, sonst ist das Ergebnis 60-mal zu hoch.
Lernhinweis
Die Förderrate über die Rollenklemme ist sehr ungenau, die Abweichung kann bis zu ±50 % betragen. Auch die Tropfengröße schwankt, etwa mit der Tropfgeschwindigkeit, der Viskosität, der Temperatur und dem Luftdruck. Über Schwerkraft sollten deshalb nur Infusionen laufen, die nicht hochwirksam sind, potente Arzneimittel sollten über Pumpen laufen.
Lernfrage: Warum sollten über Schwerkraft nur Infusionen laufen, die nicht hochwirksam sind?
Antwort anzeigen
Weil die Förderrate über die Rollenklemme sehr ungenau ist: Die Abweichung kann bis zu ±50 % betragen (I care S. 491). Auch die Tropfengröße schwankt, etwa mit der Viskosität, der Temperatur und dem Luftdruck.
Übungsfall mit erfundener Person. Quelle: I care Pflege (Thieme 2015), Kap. 24.2.9, S. 491: Formel „Infusionsmenge (ml) × 20 Tropfen / Infusionsdauer (min) = Tropfen/min“ und „Als Orientierung gilt: 20 Tropfen einer wässrigen Lösung entsprechen 1 ml“; Tab. 24.3 auf S. 492: 500 ml in 4 Stunden = 42 Tropfen; Lernhinweis S. 491 f.