Warum Aggression in der Pflege zunimmt und was fachlich gilt
Das Eisbergmodell der Aggression
Die drei Phasen der Deeskalation nach ProDeMa
Prävention: Aggression gar nicht entstehen lassen
Frühwarnzeichen erkennen (Unruhe, veränderte Körpersprache, verbale Spannung), Umgebungsfaktoren reduzieren (Lärm, enge Räume, Reizüberflutung), Grundbedürfnisse prüfen (Durst, Schmerz, Toilette, Ruhe). 80 Prozent aller Eskalationen sind durch frühe Intervention vermeidbar. Prävention ist das einzige wirklich wirksame Mittel.
Deeskalation: Verbale und nonverbale Intervention
Wenn die Situation sich zuspitzt: Abstand halten (Armlänge plus), ruhige Körperhaltung, niedrige Stimme, einfache kurze Sätze. Nicht belehren, nicht rechtfertigen, nicht diskutieren. Das Gefühl zurückspiegeln: 'Sie sind gerade sehr wütend, das sehe ich.' Keine Bestrafung ankündigen. Die Aufmerksamkeit auf eine gemeinsame Lösung richten: 'Wie können wir das jetzt gut klären?'
Intervention: Wenn die Lage körperlich wird
Eigenschutz vor Fremdschutz. Fluchtweg immer freihalten. Bei körperlicher Attacke rückwärts weichen, nie den Rücken zuwenden, Kollegen per stummem Signal rufen. Fixierung ist letztes Mittel und immer durch Arzt anzuordnen und zu dokumentieren. Nach der Situation: sofort Erstversorgung, dann strukturierte Nachbesprechung innerhalb von 24 Stunden.
Deeskalation ist nicht, die Wut des anderen zu besänftigen. Deeskalation ist, die eigene Ruhe nicht zu verlieren. Der Unterschied entscheidet über den Ausgang der Situation.
| Gernot Sonneck, Grundlagen der Krisenintervention
Deeskalations-Sätze, die wirken, und solche, die eskalieren
Wirksam: Gefühl spiegeln
'Ich sehe, Sie sind gerade sehr wütend, und ich nehme das ernst.' Die Spiegelung erkennt an, ohne zu bewerten. Das Gefühl wird in Worte gefasst und verliert dadurch einen Teil seiner körperlichen Energie.
Wirksam: Gemeinsame Richtung
'Was müssen wir tun, damit es für Sie besser wird?' Die Frage gibt Kontrolle zurück und bricht die Wir-gegen-Sie-Dynamik. Oft entsteht schon durch die Frage ein Dialog.
Eskalierend: Belehrung
'Das dürfen Sie nicht.' Belehrung wird als Dominanzgeste verstanden und erzeugt reflexhaft Widerstand. Sie bringt in 90 Prozent der Fälle die Aggression auf die nächste Stufe.
Eskalierend: Verharmlosung
'Stellen Sie sich nicht so an.' Verharmlosung ist die direkteste Form der Entwürdigung. Der Betroffene muss nun entweder seine Wut eskalieren oder seine Würde aufgeben. Beides führt zur Eskalation.
Aggression bei Demenz: Ein Sonderfall
Fixierung als letztes Mittel
Pflichtfortbildung: Rechtsgrundlagen
Zur Pflichtfortbildung
Kernbotschaft
Erkenne ich Frühwarnzeichen von Aggression (Unruhe, Tonfall, Körperspannung) rechtzeitig?
Prüfe ich bei Aggression zuerst die unerfüllten Grundbedürfnisse (Schmerz, Durst, Ruhe, Würde)?
Beherrsche ich die verbalen Deeskalations-Techniken (Spiegeln, Einfache Sätze, Gemeinsame Richtung)?
Kenne ich den rechtlichen Rahmen zur Fixierung und die Alternativen nach dem Werdenfelser Weg?
Nutzt mein Team die strukturierte Nachbesprechung nach Eskalationen systematisch zur Verarbeitung?
Dennis Tefett, M.A.
Gesundheitsmanager & Neurowissenschaftler. Gründer des Refresher Zentrums. Über 300 Führungskräfte und Praxisanleitende geschult.
Mehr über den Autor →Fachbereich entdecken
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