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Konstruktive Kritik in der Praxisanleitung geben

Wie Praxisanleitende wertschätzend und konstruktiv Feedback geben. Techniken für schwierige Gespräche.

DTDennis Tefett|7 Min Lesezeit|Jan 2026Kostenlos
FeedbackGesprächsführungWertschätzung

Die Kunst des konstruktiven Feedbacks

Konstruktive Kritik gehört zu den wirkungsvollsten Instrumenten der professionellen Entwicklung in der Pflege. Richtig formuliert, kann sie Lernprozesse beschleunigen, Vertrauen stärken und die Pflegequalität nachhaltig verbessern. Falsch eingesetzt, führt sie dagegen zu Verunsicherung, Demotivation und im schlimmsten Fall zum Abbruch der Ausbildung. Der Unterschied liegt nicht im Inhalt der Rückmeldung, sondern in der Art und Weise, wie sie vermittelt wird. In der Praxisanleitung besteht die besondere Herausforderung darin, eine Beziehung zu gestalten, in der kritisches Feedback als Entwicklungschance und nicht als persönlicher Angriff wahrgenommen wird. Dies gelingt, wenn die Grundhaltung stimmt: Wer Feedback gibt, muss die Entwicklung des Gegenübers ehrlich im Blick haben und dies auch authentisch vermitteln. Konstruktive Kritik erfordert daher nicht nur kommunikative Techniken, sondern vor allem eine wertschätzende innere Haltung.

Zeitnah

Feedback wirkt am stärksten, wenn es zeitnah nach der beobachteten Situation gegeben wird. Je größer der zeitliche Abstand, desto schwieriger wird es, die Situation konkret zu rekonstruieren, und desto geringer ist der Lerneffekt. Idealerweise erfolgt das Feedback noch am selben Tag.

Konkret

Wirksames Feedback bezieht sich auf eine spezifische Situation und ein beobachtbares Verhalten, nicht auf allgemeine Eindrücke oder Charaktereigenschaften. Statt 'Sie sind ungenau' besser: 'Bei der Medikamentenvorbereitung um 10 Uhr habe ich beobachtet, dass die Dosierung nicht mit der Verordnung übereinstimmte.'

Lösungsorientiert

Konstruktive Kritik benennt nicht nur, was verbessert werden sollte, sondern zeigt auch konkrete Wege zur Verbesserung auf. Gemeinsam mit der oder dem Auszubildenden werden Alternativen erarbeitet und Unterstützungsangebote vereinbart, damit die Rückmeldung tatsächlich zu einer positiven Veränderung führen kann.

Wertschätzend

Die Grundhaltung hinter dem Feedback ist entscheidend. Wertschätzendes Feedback erkennt die Bemühungen des Gegenübers an und formuliert Kritik als Einladung zur Weiterentwicklung, nicht als Vorwurf. Die Wortwahl, der Tonfall und die Körpersprache tragen maßgeblich dazu bei, wie die Rückmeldung empfangen wird.

Privat

Kritisches Feedback sollte grundsätzlich unter vier Augen gegeben werden, niemals vor Patientinnen und Patienten, Angehörigen oder dem gesamten Team. Ein geschützter Rahmen ermöglicht es der oder dem Auszubildenden, die Rückmeldung offen aufzunehmen, Fragen zu stellen und die eigene Perspektive einzubringen, ohne sich bloßgestellt zu fühlen.

Dialogisch

Konstruktives Feedback ist keine Einbahnstraße. Es lädt zum Dialog ein und gibt dem Gegenüber die Möglichkeit, die eigene Sichtweise darzulegen, Fragen zu stellen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Diese dialogische Grundhaltung fördert die Eigenverantwortung und stärkt die Anleitungsbeziehung.

Bewährte Feedback-Modelle

1

DESC-Modell

Das DESC-Modell strukturiert das Feedbackgespräch in vier Phasen: Describe (Verhalten beschreiben) Express (eigene Gefühle und Wirkung ausdrücken) Specify (gewünschtes Verhalten benennen) Consequence (positive Konsequenzen aufzeigen). Beispiel: 'Ich habe beobachtet, dass Sie heute die Händedesinfektion vor dem Verbandwechsel ausgelassen haben (D). Das beunruhigt mich, weil Infektionsrisiken entstehen (E). Ich wünsche mir, dass Sie die Desinfektion konsequent durchführen (S). So stellen wir die Sicherheit der Patienten sicher und Sie gewinnen an Routine (C).'

2

WWW-Methode

Die WWW-Methode besteht aus drei einfachen Schritten: Wahrnehmung Wirkung Wunsch. Zunächst wird die Beobachtung beschrieben ('Mir ist aufgefallen, dass...'), dann die persönliche Wirkung benannt ('Das wirkt auf mich...') und schließlich ein konkreter Wunsch formuliert ('Ich wünsche mir, dass...'). Dieses Modell ist besonders gut geeignet, wenn schnell und unkompliziert Feedback gegeben werden soll, beispielsweise in kurzen Rückmeldungen während des Pflegealltags.

3

SBI-Feedback

Das SBI-Modell (Situation Behavior Impact) stammt aus dem Center for Creative Leadership und eignet sich hervorragend für differenziertes Feedback. Die Situation wird zunächst konkret beschrieben ('Heute Morgen bei der Übergabe...'), dann das spezifische Verhalten benannt ('...haben Sie die Schmerzentwicklung von Herrn M. sehr detailliert dokumentiert...') und abschließend die Wirkung erläutert ('...dadurch konnte die Spätschicht die Schmerztherapie gezielt anpassen'). Das SBI-Modell funktioniert sowohl für positives als auch für kritisches Feedback.

Feedback ist ein Geschenk wenn es richtig verpackt ist. Die Verpackung entscheidet darüber, ob es geöffnet oder zurückgewiesen wird.

Do's und Don'ts beim Feedbackgeben:

Do's:
  • Beginnen Sie mit einer konkreten Beobachtung, nicht mit einer Bewertung.
  • Verwenden Sie Ich-Botschaften statt Du-Botschaften.
  • Benennen Sie auch Gelungenes und Stärken, nicht nur Defizite.
  • Geben Sie dem Gegenüber Raum, die eigene Sichtweise einzubringen.
  • Vereinbaren Sie gemeinsam konkrete nächste Schritte.

Don'ts:
  • Feedback vor anderen Personen geben, das Kritik enthält.
  • Verallgemeinernde Formulierungen wie "immer" oder "nie" verwenden.
  • Mehrere kritische Punkte gleichzeitig ansprechen, ohne Priorisierung.
  • Feedback geben, wenn Sie selbst emotional aufgeladen sind.
  • Die Reaktion des Gegenübers ignorieren oder abtun.

Gebe ich Feedback zeitnah und in einem geschützten Rahmen?

Beziehe ich mich auf konkretes, beobachtbares Verhalten statt auf Persönlichkeitseigenschaften?

Nutze ich ein strukturiertes Feedback-Modell zur Orientierung?

Formuliere ich auch kritisches Feedback wertschätzend und lösungsorientiert?

Gebe ich dem Gegenüber die Möglichkeit, die eigene Perspektive einzubringen?

Achte ich darauf, positives Feedback mindestens ebenso häufig wie kritisches zu geben?

Reflektiere ich regelmäßig, wie mein Feedback bei den Lernenden ankommt?

Bin ich offen dafür, selbst Feedback zu meiner Feedbackkompetenz zu erhalten?

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