Was Validation ist und warum sie wirkt
Warum Validation und nicht Realitätsorientierung?
Die vier Techniken der Integrativen Validation
Gefühle benennen und validieren
Wir spiegeln das erkannte Gefühl in einfachen Worten zurück. Nicht 'Ihre Mutter lebt nicht mehr', sondern 'Sie vermissen Ihre Mutter sehr'. Diese Zurückspiegelung zeigt: Ich sehe dich, dein Gefühl ist gültig. Das Gefühl löst sich oft, sobald es anerkannt ist.
Antriebe und Lebensthemen aufgreifen
Jeder Mensch trägt Lebensthemen in sich, die auch in der Demenz wirksam bleiben: Arbeit, Familie, Heimat, Pflicht. Wer auf die Arbeit will, trägt das Thema Gebrauchtwerden in sich. Statt zu korrigieren: 'Das war eine wichtige Arbeit für Sie, nicht wahr? Erzählen Sie mir davon.'
Allgemein anerkannte Wahrheiten einsetzen
Aussagen wie 'Mütter sind besonders wichtig' oder 'Arbeit gibt dem Tag Struktur' sind schwer angreifbar und geben Sicherheit. Sie wirken wie ein verbaler Halt und öffnen biografische Erinnerungen, die beruhigen statt zu erregen.
Körperliche Resonanz und Tempo
Blickkontakt auf Augenhöhe, langsames Sprechen, ruhige Berührung an den Oberarmen und das bewusste Anpassen der Atemfrequenz wirken regulierend auf das autonome Nervensystem. Menschen mit Demenz lesen Körpersprache intensiver als Worte. Ruhe im Körper überträgt sich unmittelbar.
Validation heißt nicht, alles gut zu finden. Validation heißt, den Menschen dort abzuholen, wo er gerade ist, und ihm nicht vorzuwerfen, dass er nicht dort ist, wo wir ihn erwarten.
| Nicole Richard, Begründerin der Integrativen Validation
Typische Situationen und wie Validation sie verändert
Situation: Will zu Mutter
Falsch: 'Ihre Mutter ist verstorben.' Richtig: 'Sie denken gerade sehr an Ihre Mutter. Mütter sind etwas ganz Besonderes, nicht wahr? Was mochten Sie an ihr am liebsten?' Das Gefühl wird anerkannt, die Erinnerung öffnet sich.
Situation: Will zur Arbeit
Falsch: 'Sie sind doch längst in Rente.' Richtig: 'Sie haben viele Jahre sehr wichtig gearbeitet. Was war Ihre Aufgabe gewesen, erzählen Sie mir davon.' Das Thema Gebrauchtwerden wird geehrt.
Situation: Der Koffer steht bereit
Falsch: 'Sie wohnen doch hier.' Richtig: 'Sie wollen auf Reisen. Wohin führt Sie die Reise denn?' Das Lebensthema Aufbruch wird Raum gegeben. Oft beruhigt sich die Situation binnen Minuten.
Situation: Aggression beim Waschen
Falsch: schnelles Weitermachen. Richtig: unterbrechen, Körperhaltung entspannen, Wirkstoff ruhiger Stimme: 'Das ist gerade unangenehm für Sie, nicht wahr?' Die Anerkennung senkt die körperliche Abwehrspannung deutlich.
Was Validation nicht ist
Rechtsgrundlagen und Pflichtfortbildung
Zur Pflichtfortbildung
Kernbotschaft
Habe ich die vier Techniken der Integrativen Validation präsent und nutze ich sie bewusst im Alltag?
Erkenne ich die typischen Lebensthemen der mir anvertrauten Menschen und spreche ich sie an?
Überprüfe ich, ob meine Körperhaltung, mein Tempo und meine Stimme ruhig und einladend sind?
Unterscheide ich zwischen Situationen, in denen Realitätsorientierung sinnvoll ist, und solchen, in denen sie schadet?
Nutze ich Fallreflexion im Team, um meine validierende Haltung systematisch weiterzuentwickeln?
Dennis Tefett, M.A.
Gesundheitsmanager & Neurowissenschaftler. Gründer des Refresher Zentrums. Über 300 Führungskräfte und Praxisanleitende geschult.
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