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Validation nach Naomi Feil: Grundlagen und Praxisanwendung

Die Methode der Validation ermöglicht einfühlsame Kommunikation mit desorientierten, alten Menschen. Ein Leitfaden für die praktische Anwendung.

DTDennis Tefett|10 Min Lesezeit|Feb 2026Kostenlos
ValidationDemenzKommunikationGerontopsychiatrie
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Aus der Praxis

Pflegefachkraft Maria betreut die 84-jährige Frau Hoffmann, die seit Wochen immer wieder nach ihrer Mutter ruft und zur Haustür drängt. Alle Versuche, Frau Hoffmann an die Realität zu erinnern, führen zu Weinen und Aggression. Erst als Maria beginnt, Frau Hoffmanns Gefühle ernst zu nehmen und auf die emotionale Ebene einzugehen, verändert sich die Situation grundlegend.

Was ist Validation nach Naomi Feil?

Validation ist eine Kommunikationsmethode, die in den 1960er-Jahren von der amerikanischen Sozialarbeiterin und Gerontologin Naomi Feil entwickelt wurde. Der Grundgedanke ist einfach und zugleich revolutionär: Statt desorientierte alte Menschen in unsere Realität zurückzuholen, begleiten wir sie empathisch in ihrer inneren Welt. Der Begriff „Validation" bedeutet wörtlich „für gültig erklären". Wir erklären die Gefühle, Erinnerungen und Bedürfnisse des desorientierten Menschen für gültig und wertvoll, auch wenn sie nicht unserer Wirklichkeit entsprechen.
Feil geht davon aus, dass hochbetagte desorientierte Menschen unerledigte Lebensaufgaben verarbeiten. Wer in jüngeren Jahren Konflikte verdrängt hat, trägt diese ins hohe Alter mit. Wenn kognitive Kontrollmechanismen nachlassen, brechen unterdrückte Gefühle und Erinnerungen hervor. Die Validation bietet einen Rahmen, in dem diese Gefühle ausgedrückt und gewürdigt werden können, ohne dass die Pflegeperson den Betroffenen korrigiert oder belehrt. Dadurch entsteht Vertrauen, und herausfordernde Verhaltensweisen nehmen häufig deutlich ab.

Die vier Phasen der Desorientierung nach Feil

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Phase 1: Mangelhafte Orientierung

Die Person ist weitgehend orientiert, leugnet jedoch beginnende Verluste und projiziert innere Konflikte auf die Umgebung. Sie klagt häufig über Diebstahl, Vergiftung oder Vernachlässigung. Die Sprache ist klar, der Blickkontakt vorhanden. Validationstechniken in dieser Phase: aktives Zuhören, offene W-Fragen (Wer, Was, Wo, Wann), Umformulieren (Rephrasing) und das Ansprechen des bevorzugten Sinneskanals.

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Phase 2: Zeitverwirrtheit

Das logische Denken lässt nach, Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen. Die Person verwechselt Personen, Orte und Zeiten. Sprache wird unklarer, Bewegungen langsamer. In dieser Phase gewinnen nonverbale Techniken an Bedeutung: Spiegeln von Emotionen und Körperhaltung, Berührung, Augenkontakt, Singen vertrauter Lieder und das Arbeiten mit Mehrdeutigkeit (Ambiguity). Statt nach konkreten Fakten zu fragen, begleiten wir die Gefühle hinter den Worten.

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Phase 3: Sich wiederholende Bewegungen

Sprache wird zunehmend durch Bewegungen ersetzt. Die Person wippt, klopft, summt oder streicht wiederholt über Gegenstände. Diese Bewegungen sind oft Ausdruck tief verankerter Erinnerungen oder Bedürfnisse. Validationstechniken: Berührung, Musik, Spiegeln der Bewegungen, Kontakt über den bevorzugten Sinneskanal. Körperliche Nähe und ein ruhiger, melodischer Tonfall sind wichtiger als Worte.

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Phase 4: Vegetieren

Die Person zieht sich weitgehend von der Außenwelt zurück. Augen sind häufig geschlossen, Reaktionen auf Ansprache sind minimal. Dennoch können Berührung, vertraute Musik und eine liebevolle Präsenz das Wohlbefinden fördern. In dieser Phase geht es um achtsame Zuwendung: sanfte Berührung an Händen oder Wangen, leises Summen bekannter Melodien und ein respektvoller Umgang mit der Würde des Menschen.

Zentrale Validationstechniken in der Praxis

Die Validation bietet ein differenziertes Repertoire an Techniken, die je nach Phase der Desorientierung eingesetzt werden. Alle Techniken haben gemeinsam, dass sie die Gefühle des Gegenübers wertschätzen und keine Korrektur der Realität anstreben. Entscheidend ist die innere Haltung der Pflegeperson: Empathie, Offenheit und die Bereitschaft, sich auf die Welt des desorientierten Menschen einzulassen.

Centering (Zentrieren)

Bevor die Pflegeperson den Kontakt aufnimmt, sammelt sie sich innerlich. Durch bewusstes Atmen und Loslassen eigener Gedanken wird eine empathische Präsenz hergestellt. Nur wer selbst zentriert ist, kann sich auf die emotionale Welt eines desorientierten Menschen einlassen.

Rephrasing (Umformulieren)

Die Kernaussage der Person wird in eigenen Worten wiederholt, wobei der emotionale Gehalt betont wird. Sagt Frau Hoffmann 'Meine Mutter wartet auf mich', könnte die Pflegeperson antworten: 'Ihre Mutter ist Ihnen sehr wichtig.' So fühlt sich die Person verstanden.

Reminiscing (Erinnern)

Durch gezielte Fragen nach Erinnerungen wird die Person eingeladen, von früher zu erzählen. 'Wie war das, als Ihre Mutter Sie abends ins Bett gebracht hat?' Positive Erinnerungen können Geborgenheit und Ruhe vermitteln.

Genuine close eye contact

Aufrichtiger, naher Blickkontakt signalisiert Interesse und Zuwendung. Besonders in Phase 2 und 3, wenn Worte an Bedeutung verlieren, ist der Blickkontakt ein kraftvolles Mittel der Verbindung. Die Pflegeperson begegnet dem anderen auf Augenhöhe.

Ambiguity (Mehrdeutigkeit)

Wenn die Aussagen der Person unverständlich sind, werden vage Pronomen wie 'er', 'sie', 'das' verwendet, statt nachzufragen. 'Erzählen Sie mir mehr davon.' So bleibt der Gesprächsfluss erhalten, ohne die Person unter Druck zu setzen.

Musik und Berührung

Vertraute Melodien und sanfte Berührung erreichen Menschen in allen Phasen der Desorientierung. Ein Volkslied aus der Kindheit kann Erinnerungen wecken und Wohlbefinden auslösen. Berührung an Händen, Schultern oder Wangen vermittelt Sicherheit und Nähe.

Wenn ein sehr alter Mensch nicht mehr in unserer Realität leben kann, ist es nicht unsere Aufgabe, ihn zurückzuholen. Unsere Aufgabe ist es, ihn dort abzuholen, wo er sich befindet.

| Naomi Feil

Selbstcheck

Kann ich die vier Phasen der Desorientierung nach Feil benennen und unterscheiden?

Kenne ich mindestens fünf Validationstechniken und deren phasengerechten Einsatz?

Bin ich in der Lage, in einer konkreten Situation auf Realitätsorientierung zu verzichten und stattdessen validierend zu reagieren?

Verstehe ich den Unterschied zwischen Validation und bloßem Mitspielen?

Kann ich Centering als Vorbereitung auf einen Validationskontakt anwenden?

Bin ich mir bewusst, welche meiner eigenen Gefühle durch die Arbeit mit desorientierten Menschen ausgelöst werden?

🎯

Nächster Schritt: Fortbildung

Vertiefen Sie Ihr Wissen in unserer Fortbildung zur Gerontopsychiatrie. In praxisnahen Modulen lernen Sie, Validation sicher anzuwenden und individuell an die Bedürfnisse Ihrer Bewohnerinnen und Bewohner anzupassen. Alle Inhalte sind nach den aktuellen Leitlinien aufbereitet und für die Rezertifizierung anerkannt. Jetzt informieren unter /kurse-gerontopsychiatrie.

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