Aus der Praxis
Grundprinzipien der Kommunikation bei Demenz
Kommunikationsanpassung nach Demenzstadium
Leichte Demenz: Unterstützende Kommunikation
Die Person kann sich noch weitgehend verständlich ausdrücken, hat aber zunehmend Wortfindungsstörungen. Geben Sie Zeit zum Antworten, bieten Sie behutsam Worte an, wenn die Person stockt, und vermeiden Sie Korrekturen. Nutzen Sie kurze, klare Sätze. Geschlossene Fragen ('Möchten Sie Tee oder Kaffee?') sind einfacher zu beantworten als offene Fragen ('Was möchten Sie trinken?'). Erhalten Sie die Autonomie, indem Sie Wahlmöglichkeiten anbieten.
Mittlere Demenz: Vereinfachte Kommunikation
Die Sprachfähigkeit ist deutlich eingeschränkt. Verwenden Sie Einwortsätze oder sehr kurze Sätze, sprechen Sie langsam und deutlich, und unterstützen Sie Ihre Worte mit Gesten und Zeigen. Stellen Sie Ja-Nein-Fragen, die mit einem Nicken oder Kopfschütteln beantwortet werden können. Wiederholen Sie wichtige Informationen geduldig. Der Name der Person am Satzanfang sichert die Aufmerksamkeit. Vermeiden Sie Hintergrundgeräusche und stellen Sie Blickkontakt her, bevor Sie sprechen.
Schwere Demenz: Nonverbale Kommunikation
Sprachliches Verstehen ist stark eingeschränkt oder nicht mehr vorhanden. Die Kommunikation verlagert sich vollständig auf die nonverbale Ebene: Berührung, Blickkontakt, Stimmmelodie und Mimik werden zu den wichtigsten Kommunikationsmitteln. Singen Sie vertraute Lieder, halten Sie die Hand, sprechen Sie in ruhigem, warmem Tonfall. Achten Sie auf nonverbale Schmerzzeichen wie Grimassieren, Stöhnen oder Abwehrbewegungen. Die Qualität der Beziehung drückt sich nicht mehr über Worte, sondern über Präsenz und Zuwendung aus.
Validation versus Realitätsorientierung
Kurze, klare Sätze
Ein Gedanke pro Satz. Vermeiden Sie Nebensätze, Ironie und abstrakte Begriffe. Sprechen Sie in einfacher Alltagssprache und lassen Sie Zeit zum Verarbeiten.
Nonverbale Kongruenz
Mimik, Gestik und Stimmlage müssen zum Gesprochenen passen. Demenzkranke Menschen spüren Unstimmigkeiten sofort und reagieren mit Verunsicherung.
Biografie als Brücke
Vertraute Themen aus der Lebensgeschichte erleichtern den Zugang. Ein ehemaliger Gärtner reagiert auf Gespräche über Pflanzen, eine frühere Lehrerin auf Schulgeschichten.
Man kann nicht nicht kommunizieren. Auch Schweigen ist eine Botschaft, und gerade in der Demenzpflege wird das Ungesagte oft lauter gehört als das Gesagte.
Selbstcheck
Kann ich meine Kommunikation an das jeweilige Demenzstadium anpassen?
Bin ich mir bewusst, dass meine Körpersprache und mein Tonfall wichtiger sind als meine Worte?
Kenne ich den Unterschied zwischen Validation und Realitätsorientierung und weiß, wann welcher Ansatz angemessen ist?
Kann ich mit wiederkehrenden Fragen gelassen umgehen, ohne den Betroffenen zu korrigieren?
Achte ich auf nonverbale Schmerzzeichen bei Menschen, die sich nicht mehr verbal äußern können?
Nutze ich biografisches Wissen gezielt als Kommunikationsbrücke?
Reflektiere ich regelmäßig meine eigene Kommunikation im Team?
Nächster Schritt: Fortbildung
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