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🧠GerontopsychiatrieArtikel 3 von 4

Herausforderndes Verhalten verstehen und professionell begleiten

Aggression, Unruhe und Verweigerung: Hintergründe erkennen und deeskalierende Handlungsstrategien in der gerontopsychiatrischen Pflege anwenden.

DTDennis Tefett|12 Min Lesezeit|Jan 2026Kostenlos
VerhaltenDeeskalationGerontopsychiatriePraxisanleitung
🎯

Aus der Praxis

Während der Morgenpflege schlägt der 78-jährige Herr Krause plötzlich nach Pflegefachkraft Stefan. Stefan ist erschrocken und verletzt. Im Team wird diskutiert, ob Herr Krause „absichtlich aggressiv" sei. Niemand fragt zunächst, was Herr Krause mit seinem Verhalten möglicherweise ausdrücken wollte, denn die Situation wird ausschließlich als Angriff bewertet.

Herausforderndes Verhalten als Kommunikation verstehen

Der Begriff „herausforderndes Verhalten" hat in der Gerontopsychiatrie den älteren Ausdruck „Verhaltensstörung" abgelöst, und das aus gutem Grund: Er lenkt den Blick weg von der Bewertung des Menschen hin zur Analyse der Situation. Herausforderndes Verhalten bei demenzkranken Menschen ist selten böswillig oder gezielt. Es ist der Ausdruck eines Bedürfnisses, das auf anderem Wege nicht mehr kommuniziert werden kann. Schlagen, Schreien, Umherwandern, Verweigerung von Pflege oder sexuell enthemmtes Verhalten sind keine „Störungen", sondern Verhaltensweisen, die eine Bedeutung tragen.
Das NDB-Modell (Need-driven Dementia-compromised Behavior) bietet einen wissenschaftlich fundierten Rahmen, um herausforderndes Verhalten zu verstehen. Das Modell geht davon aus, dass das Verhalten demenzkranker Menschen durch unerfüllte Bedürfnisse angetrieben wird, die aufgrund der kognitiven Einschränkungen nicht mehr angemessen artikuliert werden können. Aufgabe der Pflege ist es, die Bedürfnisse hinter dem Verhalten zu identifizieren und zu adressieren.

Häufige Auslöser herausfordernden Verhaltens

Schmerzen und körperliches Unwohlsein

Unerkannte oder unzureichend behandelte Schmerzen sind einer der häufigsten Auslöser für Aggression und Unruhe bei demenzkranken Menschen. Da die verbale Schmerzkommunikation eingeschränkt ist, äußern sich Schmerzen als Abwehrverhalten bei Mobilisation, als Grimassieren oder als allgemeine Unruhe. Systematische Schmerzassessments (BESD-Skala) sind unverzichtbar.

Überstimulation und Reizüberflutung

Laute Umgebungen, hektische Atmosphäre, zu viele Personen im Raum oder gleichzeitige Reize überfordern das demenziell veränderte Gehirn. Die Folge kann Angst, Rückzug oder Aggression sein. Ruhige, reizarme Umgebungen und vorhersehbare Tagesstrukturen helfen, Überstimulation zu vermeiden.

Verlust von Autonomie und Kontrolle

Pflegemaßnahmen wie Körperpflege, Inkontinenzversorgung oder Anziehen greifen tief in die Intimsphäre ein. Demenzkranke Menschen verstehen häufig nicht, was geschieht, und erleben die Pflege als Übergriff. Widerstand gegen Pflege ist in vielen Fällen eine nachvollziehbare Reaktion auf einen empfundenen Kontrollverlust.

Biografische Traumata

Kriegserlebnisse, Missbrauchserfahrungen oder andere traumatische Lebensereignisse können durch bestimmte Pflegesituationen reaktiviert werden. Dunkelheit, bestimmte Geräusche, die Nähe fremder Personen oder enge Räume können Flashbacks auslösen. Die Kenntnis der Biografie ist für die Prävention entscheidend.

Professionelle Deeskalationsstrategien

1

Situation analysieren statt reagieren

Treten Sie innerlich einen Schritt zurück, bevor Sie handeln. Fragen Sie sich: Was passiert gerade aus der Perspektive des Betroffenen? Welches Bedürfnis könnte hinter dem Verhalten stehen? Diese kurze Reflexion verhindert impulsive Reaktionen und eröffnet professionelle Handlungsoptionen.

2

Ruhig und respektvoll bleiben

Senken Sie Ihre Stimme, verlangsamen Sie Ihre Bewegungen und vermeiden Sie hektische Gesten. Stellen Sie sich seitlich statt frontal zur Person, um keine Bedrohung zu signalisieren. Ihr ruhiges Auftreten überträgt sich auf die Situation und wirkt beruhigend.

3

Die auslösende Situation verändern

Wenn Körperpflege zur Eskalation führt, unterbrechen Sie die Maßnahme und versuchen Sie es später erneut. Wenn die Umgebung überreizt, reduzieren Sie Reize: Licht dimmen, Radio ausschalten, andere Personen bitten, den Raum zu verlassen. Oft reicht eine kleine Veränderung, um die Situation zu entschärfen.

4

Bedürfnis adressieren

Wenn Schmerz als Auslöser vermutet wird, bieten Sie eine Schmerzmedikation an. Wenn Hunger oder Durst die Ursache sein könnten, bieten Sie Nahrung an. Wenn Einsamkeit zugrunde liegt, setzen Sie sich hin und bieten Sie Ihre Präsenz an. Die Lösung liegt in der Befriedigung des Bedürfnisses, nicht in der Unterdrückung des Verhaltens.

5

Im Team reflektieren und dokumentieren

Dokumentieren Sie Verhaltensauffälligkeiten systematisch: Wann tritt das Verhalten auf? In welchem Kontext? Was geschah vorher? Was half? Diese Dokumentation ermöglicht Mustererkennungen und die Entwicklung individueller Handlungsstrategien im Team.

Es gibt kein herausforderndes Verhalten, es gibt nur herausgeforderte Pflegende. Die Herausforderung liegt darin, die Botschaft hinter dem Verhalten zu entschlüsseln.

Selbstcheck

Kann ich den Begriff 'herausforderndes Verhalten' vom Begriff 'Verhaltensstörung' abgrenzen und die Perspektivänderung erklären?

Kenne ich das NDB-Modell und kann es auf eine konkrete Pflegesituation anwenden?

Bin ich in der Lage, mindestens vier häufige Auslöser herausfordernden Verhaltens zu benennen?

Kann ich in einer Eskalationssituation professionell deeskalieren, statt impulsiv zu reagieren?

Nutze ich systematische Schmerzassessments bei demenzkranken Menschen, die sich nicht verbal äußern können?

Kenne ich die Biografie meiner Bewohnerinnen und Bewohner ausreichend, um mögliche Trigger zu erkennen?

Reflektiere ich meine eigenen emotionalen Reaktionen auf herausforderndes Verhalten regelmäßig im Team?

🎯

Nächster Schritt: Fortbildung

Vertiefen Sie Ihr Wissen in unserer Fortbildung zur Gerontopsychiatrie. Lernen Sie, herausforderndes Verhalten systematisch zu analysieren und evidenzbasierte Handlungsstrategien im Pflegealltag umzusetzen. Die Fortbildung ist als Pflichtfortbildung anerkannt. Jetzt informieren unter /kurse-gerontopsychiatrie.

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