
Warum Expertenstandards so wichtig sind
Was sind Expertenstandards?
Alle 11 Expertenstandards im Überblick
Dekubitusprophylaxe (2. Aktualisierung 2017)
Systematische Risikoeinschätzung, Hautinspektion, individuelle Maßnahmenplanung und Druckentlastung. Ziel: Vermeidung von Druckgeschwüren durch frühzeitige Erkennung gefährdeter Patientinnen und Patienten sowie gezielte Bewegungsförderung und Lagerung.
Pflege von Menschen mit chronischen Wunden (2. Aktualisierung 2025)
Systematisches Wundassessment, phasengerechte Wundversorgung, Schmerzmanagement und Rezidivprophylaxe. Der Fokus liegt auf Lebensqualität und Alltagsbewältigung, nicht allein auf der Wunde. Aktuellster aktualisierter Standard.
Entlassungsmanagement (2. Aktualisierung 2019)
Frühzeitige Einschätzung des poststationären Versorgungsbedarfs, multiprofessionelle Planung und strukturierte Überleitung. Die erste Einschätzung erfolgt innerhalb von 24 Stunden nach Übernahme, die Kontaktaufnahme nach der Entlassung innerhalb von 48 bis 72 Stunden.
Ernährungsmanagement (1. Aktualisierung 2017)
Screening auf Mangelernährung, individuelle Ernährungsplanung, Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme und Evaluation des Ernährungszustands. Ziel: bedarfsgerechte orale Ernährung sicherstellen und Mangelernährung verhindern.
Schmerzmanagement in der Pflege (Aktualisierung 2020)
Seit 2020 EIN gemeinsamer Standard für akute und chronische Schmerzen, die früher getrennten Fassungen wurden zusammengeführt. Systematische, wiederholte Einschätzung mit validierten Instrumenten, Selbsteinschätzung vorrangig. Bei chronischen Schmerzen liegt der Fokus auf Alltag, Teilhabe und Funktionserhalt.
Beziehungsgestaltung bei Menschen mit Demenz (2019)
Personzentrierte Grundhaltung nach Kitwood, Verstehen von Verhaltensweisen als Ausdruck von Bedürfnissen, Gestaltung einer vertrauensbildenden Beziehung. Die 1. Aktualisierung erscheint im Herbst 2026, bis dahin gilt die Fassung von 2019.
Sturzprophylaxe (2. Aktualisierung 2022)
Identifikation von Sturzrisikofaktoren, individuelle Maßnahmenplanung (Kraft, Balance, Umgebungsgestaltung, Medikamentenreview) und Evaluation nach Sturzereignissen. Wichtig für die Prüfung: Freiheitsentziehende Maßnahmen sind ausdrücklich KEIN Mittel der Sturzprophylaxe.
Förderung der Mundgesundheit (Erstfassung 2023)
Einschätzung des Mundgesundheitszustands, individuelle Mund-, Prothesen- und Schleimhautpflege, Zusammenarbeit mit der Zahnmedizin. Zusammenhang mit Ernährung und Aspirationspneumonie beachten. Junger Standard, in älterem Lernmaterial oft vergessen.
Kontinenzförderung (Aktualisierung 2024)
Bis 2024 hiess dieser Standard "Förderung der Harnkontinenz". Differenzierte Einschätzung, individuelles Kontinenzprofil als Zielgröße, fördernde Maßnahmen VOR der Kompensation mit Hilfsmitteln. Hilfsmittel erst, wenn die Förderung nicht ausreicht.
Erhaltung und Förderung der Hautintegrität (Erstfassung 2024)
Neuester Standard. Risikoeinschätzung für trockene Haut, inkontinenzassoziierte Dermatitis, Skin Tears und intertriginöse Dermatitis, strukturierte Hautpflege. Breiterer Fokus als die Dekubitusprophylaxe, beide sind klar voneinander abzugrenzen.
Erhaltung und Förderung der Mobilität (Aktualisierung 2020, § 113a SGB XI)
Sonderstellung: im Auftrag der Vertragsparteien nach § 113 SGB XI entwickelt und deshalb nicht über den DNQP-Shop, sondern kostenlos über den Qualitätsausschuss Pflege erhältlich. Für zugelassene Pflegeeinrichtungen verbindlich. Einschätzung der Mobilität, individueller Maßnahmenplan, Vermeidung von Immobilitätsfolgen.
Warum oft von 13 Expertenstandards die Rede ist
Für die Prüfung merken
Implementierung in der Praxis
Ist-Analyse durchführen
Prüfen Sie den aktuellen Stand in Ihrer Einrichtung: Welche Standards sind bereits implementiert? Wo gibt es Lücken? Welche Assessmentinstrumente werden genutzt? Eine ehrliche Bestandsaufnahme ist die Grundlage für gezielte Verbesserungen.
Multiprofessionelles Team bilden
Binden Sie Pflegefachkräfte, Praxisanleitende, Qualitätsbeauftragte und (wo relevant) Therapeutinnen, Therapeuten und Ärztinnen, Ärzte ein. Die Implementierung gelingt nur, wenn alle Beteiligten den Standard verstehen und mittragen.
Schulung und Qualifizierung
Schulen Sie das gesamte Team zu den Inhalten des jeweiligen Standards. Nutzen Sie Fallbeispiele, praktische Übungen und Reflexionsrunden. Praxisanleitende spielen hier eine Schlüsselrolle als Multiplikatoren.
Anpassung der Dokumentation
Passen Sie Ihre Pflegedokumentation an die Vorgaben des Standards an. Assessmentinstrumente, Maßnahmenpläne und Evaluationsbögen sollten den Struktur-, Prozess- und Ergebniskriterien entsprechen.
Evaluation und kontinuierliche Verbesserung
Überprüfen Sie regelmäßig, ob die Implementierung erfolgreich ist. Nutzen Sie Qualitätsindikatoren, Fallbesprechungen und interne Audits. Expertenstandards sind lebendige Instrumente, die kontinuierliche Aufmerksamkeit erfordern.
Expertenstandards sind keine bürokratische Pflicht, sondern das Versprechen der Profession an die Menschen, die sich uns anvertrauen: Wir arbeiten nach dem besten verfügbaren Wissen.
| Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP)
Selbstcheck: Expertenstandards
Kenne ich alle 13 aktuellen Expertenstandards des DNQP und deren Kernaussagen?
Weiß ich, welche Standards in meiner Einrichtung bereits implementiert sind?
Kann ich die drei Ebenen (Struktur, Prozess, Ergebnis) jedes Standards erklären?
Bin ich mit den empfohlenen Assessmentinstrumenten der relevanten Standards vertraut?
Nehme ich an regelmäßigen Schulungen und Aktualisierungen zu Expertenstandards teil?
Nutze ich Expertenstandards als Grundlage für die Anleitung von Auszubildenden?
Kenne ich die rechtliche Bedeutung der Expertenstandards (§ 113a SGB XI)?
Nächster Schritt: Vertiefung

Dennis Christoph Tefett
Psychologie, Erziehungs- & Sozialwissenschaften (M.Ed.) | Gesundheitsmanager (B.A.). Gründer des Refresher Zentrums. Über 300 Führungskräfte und Praxisanleitende geschult.
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