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Expertenstandards Pflege: Vollständige Übersicht aller 11 DNQP-Standards

Alle 11 nationalen Expertenstandards des DNQP auf einen Blick: Inhalte, Strukturkriterien, Prozesskriterien und Ergebniskriterien.

DTDennis Tefett|15 Min Lesezeit|Feb 2026Kostenlos
ExpertenstandardsDNQPQualitätsmanagementPflege
Illustration zum Thema Expertenstandards Pflege: Vollständige Übersicht aller 11 DNQP-Standards, Fachbeitrag aus dem Bereich Pflegeprozess der Wissensakademie des Refresher Zentrums

Warum Expertenstandards so wichtig sind

Pflegefachkraft Sabine übernimmt eine neue Station und stellt fest, dass die Sturzprophylaxe seit zwei Jahren nicht aktualisiert wurde. Die Dokumentation enthält veraltete Assessmentbögen, das Team nutzt unterschiedliche Risikoeinschätzungen und die Ergebnisqualität ist unklar. Als Sabine den aktuellen Expertenstandard des DNQP zur Sturzprophylaxe heranzieht, findet sie darin eine klare Struktur für Assessment, Maßnahmenplanung und Evaluation. Innerhalb von sechs Wochen ist die gesamte Sturzprophylaxe der Station auf dem aktuellen Stand der Pflegewissenschaft.

Was sind Expertenstandards?

Expertenstandards werden vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) entwickelt und gelten als das zentrale Instrument zur Sicherung und Weiterentwicklung der Pflegequalität in Deutschland. Jeder Standard basiert auf einer systematischen Literaturrecherche, einer Konsensuskonferenz mit Fachexpertinnen und Fachexperten sowie einer modellhaften Implementierung. Die Standards definieren für jedes Thema drei Ebenen: Strukturkriterien (welche Voraussetzungen müssen gegeben sein), Prozesskriterien (welche Handlungen sind erforderlich) und Ergebniskriterien (welche Resultate sollen erreicht werden).
Mit der Verankerung im Sozialgesetzbuch (§ 113a SGB XI) haben Expertenstandards auch eine rechtliche Bedeutung erhalten. Sie gelten als Maßstab für eine fachlich angemessene Pflege. Einrichtungen, die Expertenstandards nicht implementieren, setzen sich haftungsrechtlichen Risiken aus. Für Pflegefachkräfte und Praxisanleitende ist die Kenntnis aller 11 Expertenstandards deshalb nicht nur fachlich geboten, sondern auch rechtlich relevant.
Qualitätsfundament der professionellen Pflege11Nationale Expertenstandards

Alle 11 Expertenstandards im Überblick

1️⃣

Dekubitusprophylaxe (2. Aktualisierung 2017)

Systematische Risikoeinschätzung, Hautinspektion, individuelle Maßnahmenplanung und Druckentlastung. Ziel: Vermeidung von Druckgeschwüren durch frühzeitige Erkennung gefährdeter Patientinnen und Patienten sowie gezielte Bewegungsförderung und Lagerung.

2️⃣

Pflege von Menschen mit chronischen Wunden (2. Aktualisierung 2025)

Systematisches Wundassessment, phasengerechte Wundversorgung, Schmerzmanagement und Rezidivprophylaxe. Der Fokus liegt auf Lebensqualität und Alltagsbewältigung, nicht allein auf der Wunde. Aktuellster aktualisierter Standard.

3️⃣

Entlassungsmanagement (2. Aktualisierung 2019)

Frühzeitige Einschätzung des poststationären Versorgungsbedarfs, multiprofessionelle Planung und strukturierte Überleitung. Die erste Einschätzung erfolgt innerhalb von 24 Stunden nach Übernahme, die Kontaktaufnahme nach der Entlassung innerhalb von 48 bis 72 Stunden.

4️⃣

Ernährungsmanagement (1. Aktualisierung 2017)

Screening auf Mangelernährung, individuelle Ernährungsplanung, Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme und Evaluation des Ernährungszustands. Ziel: bedarfsgerechte orale Ernährung sicherstellen und Mangelernährung verhindern.

5️⃣

Schmerzmanagement in der Pflege (Aktualisierung 2020)

Seit 2020 EIN gemeinsamer Standard für akute und chronische Schmerzen, die früher getrennten Fassungen wurden zusammengeführt. Systematische, wiederholte Einschätzung mit validierten Instrumenten, Selbsteinschätzung vorrangig. Bei chronischen Schmerzen liegt der Fokus auf Alltag, Teilhabe und Funktionserhalt.

6️⃣

Beziehungsgestaltung bei Menschen mit Demenz (2019)

Personzentrierte Grundhaltung nach Kitwood, Verstehen von Verhaltensweisen als Ausdruck von Bedürfnissen, Gestaltung einer vertrauensbildenden Beziehung. Die 1. Aktualisierung erscheint im Herbst 2026, bis dahin gilt die Fassung von 2019.

7️⃣

Sturzprophylaxe (2. Aktualisierung 2022)

Identifikation von Sturzrisikofaktoren, individuelle Maßnahmenplanung (Kraft, Balance, Umgebungsgestaltung, Medikamentenreview) und Evaluation nach Sturzereignissen. Wichtig für die Prüfung: Freiheitsentziehende Maßnahmen sind ausdrücklich KEIN Mittel der Sturzprophylaxe.

8️⃣

Förderung der Mundgesundheit (Erstfassung 2023)

Einschätzung des Mundgesundheitszustands, individuelle Mund-, Prothesen- und Schleimhautpflege, Zusammenarbeit mit der Zahnmedizin. Zusammenhang mit Ernährung und Aspirationspneumonie beachten. Junger Standard, in älterem Lernmaterial oft vergessen.

9️⃣

Kontinenzförderung (Aktualisierung 2024)

Bis 2024 hiess dieser Standard "Förderung der Harnkontinenz". Differenzierte Einschätzung, individuelles Kontinenzprofil als Zielgröße, fördernde Maßnahmen VOR der Kompensation mit Hilfsmitteln. Hilfsmittel erst, wenn die Förderung nicht ausreicht.

🔟

Erhaltung und Förderung der Hautintegrität (Erstfassung 2024)

Neuester Standard. Risikoeinschätzung für trockene Haut, inkontinenzassoziierte Dermatitis, Skin Tears und intertriginöse Dermatitis, strukturierte Hautpflege. Breiterer Fokus als die Dekubitusprophylaxe, beide sind klar voneinander abzugrenzen.

1️⃣1️⃣

Erhaltung und Förderung der Mobilität (Aktualisierung 2020, § 113a SGB XI)

Sonderstellung: im Auftrag der Vertragsparteien nach § 113 SGB XI entwickelt und deshalb nicht über den DNQP-Shop, sondern kostenlos über den Qualitätsausschuss Pflege erhältlich. Für zugelassene Pflegeeinrichtungen verbindlich. Einschätzung der Mobilität, individueller Maßnahmenplan, Vermeidung von Immobilitätsfolgen.

Warum oft von 13 Expertenstandards die Rede ist

In Lernunterlagen, Foren und älteren Übersichten liest man häufig von 13 Expertenstandards. Diese Zahl entsteht durch zwei Doppelzählungen. Erstens werden Schmerzmanagement bei akuten und bei chronischen Schmerzen getrennt gezählt, obwohl das DNQP beide 2020 zu einem einzigen Standard zusammengeführt hat. Zweitens taucht die Mundgesundheit in manchen Listen zweimal auf, einmal als Mundgesundheit in der Pflege und einmal als Mundgesundheit bei Pflegebedürftigen. Es gibt davon nur einen, die Erstfassung von 2023.
Manche Zusammenstellungen zählen ausserdem Standards mit, die noch in Entwicklung sind. Für die 3. Aktualisierung der Dekubitusprophylaxe und den neuen Standard zum Delir läuft die Arbeit, veröffentlicht ist beides noch nicht. Für die Prüfung gilt: Was nicht veröffentlicht ist, ist auch nicht verbindlich.

Für die Prüfung merken

11 gültige Expertenstandards. 10 davon gibt das DNQP über seinen Shop heraus, dazu kommt der Sonderstandard Mobilität nach § 113a SGB XI, der über den Qualitätsausschuss Pflege läuft. Wer in der Prüfung gefragt wird, sollte diesen Unterschied nennen können, denn genau daran entscheidet sich, ob jemand 10 oder 11 sagt.

Implementierung in der Praxis

1

Ist-Analyse durchführen

Prüfen Sie den aktuellen Stand in Ihrer Einrichtung: Welche Standards sind bereits implementiert? Wo gibt es Lücken? Welche Assessmentinstrumente werden genutzt? Eine ehrliche Bestandsaufnahme ist die Grundlage für gezielte Verbesserungen.

2

Multiprofessionelles Team bilden

Binden Sie Pflegefachkräfte, Praxisanleitende, Qualitätsbeauftragte und (wo relevant) Therapeutinnen, Therapeuten und Ärztinnen, Ärzte ein. Die Implementierung gelingt nur, wenn alle Beteiligten den Standard verstehen und mittragen.

3

Schulung und Qualifizierung

Schulen Sie das gesamte Team zu den Inhalten des jeweiligen Standards. Nutzen Sie Fallbeispiele, praktische Übungen und Reflexionsrunden. Praxisanleitende spielen hier eine Schlüsselrolle als Multiplikatoren.

4

Anpassung der Dokumentation

Passen Sie Ihre Pflegedokumentation an die Vorgaben des Standards an. Assessmentinstrumente, Maßnahmenpläne und Evaluationsbögen sollten den Struktur-, Prozess- und Ergebniskriterien entsprechen.

5

Evaluation und kontinuierliche Verbesserung

Überprüfen Sie regelmäßig, ob die Implementierung erfolgreich ist. Nutzen Sie Qualitätsindikatoren, Fallbesprechungen und interne Audits. Expertenstandards sind lebendige Instrumente, die kontinuierliche Aufmerksamkeit erfordern.

Expertenstandards sind keine bürokratische Pflicht, sondern das Versprechen der Profession an die Menschen, die sich uns anvertrauen: Wir arbeiten nach dem besten verfügbaren Wissen.

| Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP)

Selbstcheck: Expertenstandards

Kenne ich alle 13 aktuellen Expertenstandards des DNQP und deren Kernaussagen?

Weiß ich, welche Standards in meiner Einrichtung bereits implementiert sind?

Kann ich die drei Ebenen (Struktur, Prozess, Ergebnis) jedes Standards erklären?

Bin ich mit den empfohlenen Assessmentinstrumenten der relevanten Standards vertraut?

Nehme ich an regelmäßigen Schulungen und Aktualisierungen zu Expertenstandards teil?

Nutze ich Expertenstandards als Grundlage für die Anleitung von Auszubildenden?

Kenne ich die rechtliche Bedeutung der Expertenstandards (§ 113a SGB XI)?

Nächster Schritt: Vertiefung

Vertiefen Sie Ihr Wissen zu den einzelnen Expertenstandards in unseren themenspezifischen Fortbildungen. Vom Wundmanagement über die Sturzprophylaxe bis zur Beziehungsgestaltung bei Demenz: Jeder Standard verdient eine intensive Auseinandersetzung. Informieren Sie sich unter /seminare/refresher-kurse.
Schema zum Fachbeitrag Expertenstandards Pflege: Vollständige Übersicht aller 11 DNQP-Standards: Expertenstandards, DNQP, Qualitätsmanagement, Pflege
Die Kernbegriffe dieses Beitrags im Überblick
DT

Dennis Christoph Tefett

Psychologie, Erziehungs- & Sozialwissenschaften (M.Ed.) | Gesundheitsmanager (B.A.). Gründer des Refresher Zentrums. Über 300 Führungskräfte und Praxisanleitende geschult.

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