Worum es in diesem Leitfaden geht
Das Staatsexamen verstehen
Rechtsrahmen, Struktur, Gewichtung, Wiederholung. Bevor Sie begleiten können, müssen Sie die Prüfung selbst präzise kennen.
Der praktische Teil soll ohne Vorbereitungsteile einschließlich Fallvorstellungen und Reflexionsgesprächen höchstens 420 Minuten dauern.
| § 48 Abs. 4 MT-APrV
Gewichtung
75 Prozent Prüfungsleistung, 25 Prozent Vornote (§§ 49–52 MT-APrV). Erste Prüfungsaufgabe wird dreifach gewichtet.
Bestehensgrenze
Jeder einzelne Prüfungsteil mindestens 4,0 (ausreichend), bewertet von zwei unabhängigen Fachprüfern.
Wiederholung
Nach § 53 MT-APrV einmal pro nicht bestandenen Teil. Nicht der gesamte praktische Teil – nur dieser Teil.
Frist
Wiederholungsprüfung spätestens 15 Monate nach der letzten Prüfung. Verlängerung der Ausbildung max. 1 Jahr.
Ihre Rolle als Praxisanleitung
Klare Rollentrennung schützt alle Beteiligten.
Was Sie konkret leisten
- Ausbildungsstand systematisch dokumentieren und an die Schule rückmelden.
- Mock-Examen durchführen und Reflexionsgespräche auf Prüfungsniveau trainieren.
- Lernpsychologisch fundierte Strategien für die letzten Wochen vermitteln.
- Risiko-Signale früh erkennen und mit der Schule kommunizieren.
Der Zwölf-Monats-Fahrplan
Wo Sie wann ansetzen müssen, damit es nicht in der letzten Woche eng wird.
Monate 12 bis 9
Fundament. Fachliche Lücken erfassen, Lerntempo realistisch einschätzen, Schule informieren.
Monate 9 bis 6
Vertiefung. Erste Mock-Aufgaben kleinformatig, Selbstreflexion einüben, Eigenaktivität erhöhen.
Monate 6 bis 3
Konsolidierung. Vollständige Mock-Examen mit Reflexionsgespräch, Bewertungsbögen real ausfüllen.
Monate 3 bis 1
Zuspitzung. Schwächen gezielt adressieren, Prüfungsangst-Strategien fest verankern.
Letzter Monat
Abrunden. Kein neuer Stoff. Stabilisierung, Schlafhygiene, Vertrauen aufbauen.
Risiko-Signale, die zur Schule gehören
Lernpsychologie der Examensphase
Was im Gehirn passiert und wie Sie das Lernen unterstützen.
Konsolidierung
Bekannte Inhalte mit Variation wiederholen. Trainieren am Phantom oder am realen Fall, nicht im Lehrbuch.
Abrufkompetenz
Aktiv abfragen statt passiv lesen. Drei Fragen pro Tag im Stehen, ohne Vorbereitungszeit.
Prüfungsangst
Amygdala-getriebene Stressreaktion. 4-7-8-Atmung als verlässliches Reset-Tool.
Schlaf & Pausen
Konsolidierung passiert im Schlaf. 7 Stunden ist die untere Schwelle, nicht der Zielwert.
Das Mock-Examen als Kerninstrument
Die wirksamste Einzelmaßnahme in den letzten drei Monaten.
Vorbereitung · Zwei Wochen vorher
Aufgabe definieren, Materialien bereitstellen, Bewertungsbogen vorbereiten, Zeitfenster blocken.
Durchführung · Prüferrolle halten
Keine Hilfen, keine Hinweise. Beobachten, dokumentieren, Zeit messen. Mund halten ist die schwierigste Disziplin.
Bewertungsbogen rechtssicher ausfüllen
Beobachtungen statt Wertungen. Konkrete Beispiele, datierte Notizen, klare Kriterien aus der MT-APrV.
Nachbereitung · Feedback binnen 48 Stunden
Reflexionsgespräch auf Prüfungsniveau, dann erst Anleitungs-Feedback. Beide Modi sauber trennen.
Reflexionsgespräche auf Prüfungsniveau
Wo die meisten Auszubildenden Punkte verlieren. Und wo Sie sie schützen können.
Ebene 1 · Was habe ich getan?
Beschreibung der Handlung. Konkret, chronologisch, ohne Wertung.
Ebene 2 · Warum habe ich es so getan?
Begründung mit Bezug auf Anordnung, Standard, Patient, Sicherheit.
Ebene 3 · Was würde ich anders machen?
Reflexion, Lernerkenntnis, Anschluss an die nächste Anwendung.
MTR-Beispiel: CT-Thorax, drei Ebenen korrekt
Die letzten 72 Stunden
Die paradoxe Aufgabe: weniger tun, mehr Vertrauen senden.
Last gemeinsame Mock-Runde drei Tage vorher, kein Tag näher dran.
Klare Tagesstruktur fuer 24 Stunden vorher: Spaziergang, leichtes Essen, kein Bildschirm nach 21 Uhr.
Eine kurze Nachricht am Morgen der Prüfung: 'Ich wünsche Ihnen ruhige Hände. Sie wissen, was Sie tun.'
Erreichbarkeit für eine konkrete Frage signalisieren, nicht für eine Generalprobe.
Selbstfürsorge auch bei Ihnen einplanen: Sie spiegeln Ruhe nur, wenn Sie selber ruhig sind.
Was Sie NICHT tun sollten
Der Prüfungstag
Vorbereitung, Rollenverteilung, Logistik. Was am Tag selbst zählt.
60 Minuten vorher
Materialien zentral bereit, Prüfer und Vorsitz begrüßen, Logistik (Räume, Pausen, Essen) klären.
Während der Prüfung
Sie sind anwesend als Praxisanleitung, nicht als Bewerter. Beobachten, nicht eingreifen, nicht anleiten.
Reflexionsgespräch
Halten Sie Augenkontakt mit dem Auszubildenden. Nicken Sie ruhig. Spiegeln Sie Sicherheit.
Nach der Bekanntgabe
Erste Reaktion neutral. Bei bestanden: kurze Anerkennung. Bei nicht bestanden: Wiederholungsmodus erklären, keine Bewertung der Bewertung.
Nach der Prüfung
Die Phase nach der Prüfung ist Teil Ihrer Aufgabe.
Bei bestanden
Strukturierter Übergang in die Berufsausübung. Erste Berufswochen begleitet, Onboarding ergänzt die Anleitung.
Bei nicht bestanden
Innerhalb von 7 Tagen: Auswertung der Bewertungsbögen, Plan für die Wiederholung, Ressourcen sichten, Schule einbinden.
Rechtsrahmen & Widerspruch
Prüfungsrecht, Akteneinsicht, Widerspruchsverfahren.
Akteneinsicht beantragen, sobald Verdacht auf Verfahrensfehler besteht.
Frist für Widerspruch beachten, üblicherweise ein Monat ab Bekanntgabe.
Begründung schriftlich, mit konkreten Bezügen zur MT-APrV und zur Prüfungsordnung der zuständigen Behörde.
Bei komplexen Fällen frühzeitig einen Fachanwalt für Verwaltungsrecht oder Prüfungsrecht einbinden.
Worauf es am Ende ankommt
Dennis Christoph Tefett
Psychologie, Erziehungs- & Sozialwissenschaften (M.Ed.) | Gesundheitsmanager (B.A.). Gründer des Refresher Zentrums. Über 300 Führungskräfte und Praxisanleitende geschult.
Mehr über den Autor →Fachbereich entdecken
Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Erhalten Sie neue Fachartikel, Seminar-Updates und exklusive Praxistipps direkt in Ihr Postfach.
Passende Kurse zu diesem Thema
Vertiefen Sie Ihr Wissen mit unseren zertifizierten Online-Fortbildungen.
Verwandte Fachartikel
Vertiefen Sie Ihr Wissen mit diesen thematisch passenden Artikeln.
Weitere Artikel in Examensvorbereitung
Freies Informationsangebot zur eigenständigen Nutzung. Kein Fernunterricht im Sinne des FernUSG. Es findet keine Überwachung des Lernerfolgs statt.
Vertiefen Sie Ihr Wissen im E-Learning Kurs
Passend zu diesem Artikel bieten wir praxisnahe Online-Fortbildungen mit Zertifikat an. Lernen Sie flexibel und in Ihrem eigenen Tempo.
Kurse entdecken