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Reflexionsgespräche: Ein Praxisguide

Ein praxisnaher Leitfaden zur Gestaltung wirkungsvoller Reflexionsgespräche in der Pflegeausbildung.

DTDennis Tefett|10 Min Lesezeit|Jan 2026Kostenlos
ReflexionLernbegleitungSelbstentwicklung

Warum Reflexion so wichtig ist

Professionelles Handeln in der Pflege entsteht nicht allein durch das Sammeln von Erfahrungen, sondern durch deren bewusste Verarbeitung. Reflexion ist der Prozess, in dem Pflegende und Auszubildende ihre Erlebnisse, Entscheidungen und Handlungen systematisch durchdenken, um daraus Erkenntnisse für zukünftiges Handeln abzuleiten. Ohne Reflexion besteht die Gefahr, dass sich Routinen verfestigen, die nicht hinterfragt werden, und dass Fehler sich wiederholen, weil ihre Ursachen nicht erkannt werden. In der Praxisanleitung sind Reflexionsgespräche das zentrale Instrument, um Theorie und Praxis miteinander zu verbinden. Sie helfen Auszubildenden, das im Unterricht Gelernte auf die reale Pflegesituation zu übertragen und umgekehrt aus der Praxis Fragen an die Theorie zu formulieren. Studien belegen, dass regelmäßige Reflexion nicht nur die fachliche Kompetenz steigert, sondern auch die emotionale Resilienz und die Berufszufriedenheit fördert.
1

Situation beschreiben

Im ersten Schritt schildert die oder der Auszubildende die erlebte Situation möglichst konkret und wertfrei. Was genau ist passiert? Wer war beteiligt? Welche Rahmenbedingungen herrschten? Dieser Schritt dient dazu, eine gemeinsame Basis für das Gespräch zu schaffen und sicherzustellen, dass beide Gesprächspartner von derselben Situation ausgehen. Die Praxisanleitung hört aktiv zu und stellt bei Bedarf klärende Rückfragen.

2

Gefühle benennen

Im zweiten Schritt werden die Emotionen thematisiert, die während und nach der Situation aufgetreten sind. Welche Gefühle hat die Situation ausgelöst? Gab es Unsicherheit, Stolz, Überforderung oder Frustration? Das Benennen von Gefühlen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine professionelle Kompetenz. Emotionen beeinflussen pflegerisches Handeln und die Beziehung zu Patientinnen und Patienten. Sie bewusst wahrzunehmen, ist Voraussetzung für professionelle Distanz und Empathie.

3

Analyse durchführen

Nun folgt die inhaltliche Auseinandersetzung: Was lief gut und warum? Was hätte anders laufen können? Welche theoretischen Grundlagen sind relevant? In diesem Schritt verbinden Auszubildende praktische Erfahrung mit Fachwissen und entwickeln ein tieferes Verständnis der Zusammenhänge. Die Praxisanleitung kann gezielte Impulsfragen stellen, auf relevante Modelle oder Leitlinien hinweisen und alternative Handlungsmöglichkeiten gemeinsam durchdenken.

4

Schlussfolgerungen ziehen

Aus der Analyse werden konkrete Erkenntnisse abgeleitet. Was nehme ich aus dieser Erfahrung mit? Welche Stärken habe ich entdeckt? In welchen Bereichen möchte ich mich weiterentwickeln? Dieser Schritt ist entscheidend, weil er die Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft schlägt. Die Schlussfolgerungen sollten konkret und persönlich formuliert sein, damit sie handlungsleitend wirken können.

5

Handlungsplan erstellen

Abschließend wird ein konkreter Plan für die nächsten Schritte vereinbart. Welche Maßnahmen will die oder der Auszubildende ergreifen, um die gewonnenen Erkenntnisse umzusetzen? Woran wird erkennbar, dass die Entwicklung gelungen ist? Der Handlungsplan sollte realistisch und überprüfbar sein. Er bildet zugleich den Ausgangspunkt für das nächste Reflexionsgespräch und macht Lernfortschritte sichtbar.

Gesprächstechniken

Offene Fragen

Offene Fragen beginnen mit Fragewörtern wie Wie, Was, Welche oder Inwiefern und ermöglichen es dem Gegenüber, ausführlich zu antworten. Sie regen zum Nachdenken an und vermeiden Ja-Nein-Antworten. Beispiele: 'Wie haben Sie die Situation erlebt?' oder 'Was würden Sie beim nächsten Mal anders machen?'

Aktives Zuhören

Aktives Zuhören bedeutet, sich voll auf das Gegenüber zu konzentrieren und dies auch nonverbal zu zeigen: Blickkontakt, Nicken, zugewandte Körperhaltung. Zwischendurch fassen Sie das Gehörte zusammen, um sicherzustellen, dass Sie richtig verstanden haben und dem Gegenüber Wertschätzung zu signalisieren.

Paraphrasieren

Beim Paraphrasieren geben Sie das Gesagte in eigenen Worten wieder. Dies zeigt, dass Sie zugehört haben, und gibt dem Gegenüber die Möglichkeit, Missverständnisse zu korrigieren. Formulierungen wie 'Wenn ich Sie richtig verstehe...' oder 'Sie meinen also, dass...' eignen sich besonders gut.

Perspektivwechsel

Beim Perspektivwechsel laden Sie die oder den Auszubildenden ein, die Situation aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten: Wie hat die Patientin die Situation wohl erlebt? Was hätte eine erfahrene Kollegin möglicherweise anders wahrgenommen? Dieser Wechsel fördert Empathie und erweitert das Repertoire möglicher Handlungsoptionen.

Reflexion ist die Brücke zwischen Erfahrung und Erkenntnis.

| David Kolb
Vorlage für ein strukturiertes Reflexionsgespräch:
  1. Eröffnung (2-3 Min.): Begrüßung, Rahmen setzen und Vertraulichkeit zusichern. Kurz erläutern, wie das Gespräch ablaufen wird.
  2. Situationsbeschreibung (5 Min.): Die oder der Auszubildende schildert die Situation. Klärende Rückfragen stellen, aber noch nicht bewerten.
  3. Emotionale Ebene (3-5 Min.): Gefühle und Empfindungen thematisieren. Raum für offene Äußerungen geben.
  4. Gemeinsame Analyse (10 Min.): Theoretische Einordnung, Stärken benennen, Alternativen durchdenken. Impulsfragen nutzen.
  5. Erkenntnisse und Plan (5 Min.): Konkrete Schlussfolgerungen formulieren und nächste Schritte vereinbaren. Lernziele schriftlich festhalten.
  6. Abschluss (2 Min.): Zusammenfassung, Wertschätzung ausdrücken und nächsten Gesprächstermin vereinbaren.

Plane ich Reflexionsgespräche regelmäßig ein und nicht nur anlassbezogen?

Schaffe ich eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der auch Fehler offen besprochen werden können?

Stelle ich überwiegend offene Fragen, die zum eigenständigen Denken anregen?

Lasse ich der oder dem Auszubildenden genug Zeit zum Nachdenken und Formulieren?

Vermeide ich es, vorschnell eigene Lösungen anzubieten?

Dokumentiere ich die vereinbarten Lernziele und überprüfe deren Umsetzung?

Reflektiere ich selbst regelmäßig meine Gesprächsführung und entwickle sie weiter?

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