Praxis: Die Klinikleitung fragt nach Compliance
Warum das Gesundheitswesen Hochrisiko-Bereich ist
Zeitplan und Fristen
Die 7 Pflichten für Hochrisiko-KI-Systeme
Risikomanagementsystem einrichten
Einrichtungen müssen ein dokumentiertes Risikomanagementsystem für jedes Hochrisiko-KI-System etablieren. Dieses umfasst die Identifikation, Bewertung und Minderung von Risiken über den gesamten Lebenszyklus des Systems.
Daten-Governance sicherstellen
Die Trainings-, Validierungs- und Testdaten müssen repräsentativ, fehlerfrei und fair sein. Verzerrungen (Bias) in den Daten müssen systematisch erkannt und korrigiert werden.
Technische Dokumentation erstellen
Eine umfassende technische Dokumentation muss vor dem Einsatz des KI-Systems erstellt und aktuell gehalten werden. Sie muss die Funktionsweise, Leistungsgrenzen und bekannte Risiken beschreiben.
Protokollierung und Nachverfolgbarkeit
Alle KI-Entscheidungen müssen automatisch protokolliert werden, sodass sie nachträglich überprüft und nachvollzogen werden können. Die Aufbewahrungsfrist beträgt mindestens sechs Monate.
Transparenz und Information
Nutzerinnen und Nutzer (also medizinisches Personal) müssen über die Funktionsweise, Leistungsfähigkeit und Grenzen des KI-Systems informiert werden. Anleitungen müssen verständlich und zugänglich sein.
Menschliche Aufsicht gewährleisten
Es muss sichergestellt sein, dass eine qualifizierte Fachkraft die KI-Ergebnisse überprüfen, überstimmen oder das System deaktivieren kann. Vollautomatische Entscheidungen ohne menschliche Kontrolle sind unzulässig.
Genauigkeit, Robustheit und Cybersicherheit
Das KI-System muss nachweislich genau, robust gegenüber Fehlern und Angriffen sowie cybersicher sein. Regelmäßige Tests und Updates sind Pflicht.
Bußgelder und Konsequenzen
Verbotene KI-Praktiken
Bis zu 35 Mio. Euro oder 7% des Jahresumsatzes. Betrifft z.B. Social Scoring oder unterschwellige Manipulation.
Hochrisiko-Verstöße
Bis zu 15 Mio. Euro oder 3% des Jahresumsatzes. Betrifft fehlende Dokumentation, Risikoanalyse oder menschliche Aufsicht.
10-Schritte-Compliance-Checkliste
Inventar aller eingesetzten KI-Systeme in Ihrer Einrichtung erstellen
Risikoklassifikation jedes Systems nach EU AI Act vornehmen
Hochrisiko-Systeme identifizieren (Diagnostik, Therapie, Personal, Triage)
Für jedes Hochrisiko-System ein Risikomanagementsystem einrichten
Technische Dokumentation aller Hochrisiko-Systeme erstellen oder beim Anbieter einfordern
Protokollierungsmechanismen für alle KI-Entscheidungen implementieren
Schulungen für medizinisches Personal zur KI-Nutzung und Kontrolle durchführen
Prozesse für menschliche Aufsicht und Übersteuerung definieren
Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) für alle KI-Systeme aktualisieren
Verantwortliche Person (AI Officer) für die KI-Compliance benennen
Abgrenzung: DSGVO und EU AI Act
Der EU AI Act ist kein Hindernis für Innovation im Gesundheitswesen. Er ist ein Rahmenwerk, das sicherstellt, dass KI-Innovationen sicher, transparent und zum Wohl der Patientinnen und Patienten eingesetzt werden.
Compliance-Beratung und Schulung
Dennis Tefett, M.A.
Gesundheitsmanager & Neurowissenschaftler. Gründer des Refresher Zentrums. Über 300 Führungskräfte und Praxisanleitende geschult.
Mehr über den Autor →Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Erhalten Sie neue Fachartikel, Seminar-Updates und exklusive Praxistipps direkt in Ihr Postfach.
Passende Kurse zu diesem Thema
Vertiefen Sie Ihr Wissen mit unseren zertifizierten Online-Fortbildungen.
Verwandte Fachartikel
Vertiefen Sie Ihr Wissen mit diesen thematisch passenden Artikeln.
Weitere Artikel in KI im Gesundheitswesen
Freies Informationsangebot zur eigenständigen Nutzung. Kein Fernunterricht im Sinne des FernUSG. Es findet keine Überwachung des Lernerfolgs statt.
Vertiefen Sie Ihr Wissen im E-Learning Kurs
Passend zu diesem Artikel bieten wir praxisnahe Online-Fortbildungen mit Zertifikat an. Lernen Sie flexibel und in Ihrem eigenen Tempo.
Kurse entdecken