Schriftliche Prüfung, Aufsichtsarbeit 1 und 2

Kompetenzbereich II: Kommunikation und Beratung

Kompetenzbereich II prüft, ob du eine tragfähige Beziehung gestaltest und fachlich berätst, ohne zu belehren. Diese Aufgaben stammen aus derselben realen Klausur wie Kompetenzbereich I.

Pflegesituation zum Fallbeispiel: Kompetenzbereich II: Kommunikation und Beratung

Fall-Vignette

Frau Helga Schulz, 72 Jahre, wurde nachts in der Notaufnahme aufgenommen. Diagnose: akute Exazerbation einer COPD GOLD III, Gruppe E mit ambulant erworbener Pneumonie im rechten Unterlappen. Aufnahme: SpO2 86 Prozent an Raumluft, Atemfrequenz 26 pro Minute, Herzfrequenz 112, Temperatur 38,9 Grad, BGA mit pH 7,33, paO2 56 mmHg, paCO2 52 mmHg, CRP 96 mg/L. Sie ist verwitwet, lebt allein, raucht 8 bis 10 Zigaretten täglich und hat vier gescheiterte Entwöhnungsversuche hinter sich (letzter 2019 nach dem Tod ihres Mannes). Es liegt eine Patientenverfügung vor: NIV ja, invasive Beatmung nein. Sie sagt im Aufnahmegespräch: Manche hier behandeln mich, als wäre ich selber schuld.

1AA1 · Aufgabe 1.38 PunkteSchwerpunkt II.1: Interaktion und Beziehungsgestaltung

Frau Schulz sagt: Manche hier behandeln mich, als wäre ich selber schuld. Nennen Sie zwei kommunikative Strategien und begründen Sie, warum eine reine Belehrung über Rauchschäden pflegerisch falsch wäre.

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Aktives Zuhören und Validierung: Ich habe gehört, was Sie gesagt haben. Es ist verletzend, sich beurteilt zu fühlen.

Selbstverpflichtung: Ich verspreche Ihnen, dass ich mit Ihnen wie mit einem Menschen spreche, nicht wie mit einer Schuldigen.

Keine Belehrung, weil Frau Schulz das Wissen längst hat (vier Versuche). Belehrung bestätigt nur den Selbstvorwurf. Veränderungsmotivation entsteht durch Beziehung (Motivational Interviewing), nicht durch Druck (Reaktanztheorie).

Lerntipp: Der Klassiker-Fehler ist, in solchen Aufgaben Fachwissen über die Krankheit abzuladen. Gefragt ist Beziehungsarbeit. Zeig, dass du Druck vermeidest und Autonomie stärkst.

2AA2 · Aufgabe 2.112 PunkteSchwerpunkt II.2: Beratung und Anleitung

Sie bieten Frau Schulz ein Beratungsgespräch zur Tabakentwöhnung an. a) Welches strukturierte Modell nutzen Sie und warum? b) Skizzieren Sie den Gesprächsverlauf in 5 Phasen.

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a) 5-A-Modell (Ask, Advise, Assess, Assist, Arrange) oder Motivational Interviewing nach Miller und Rollnick. Begründung: strukturiert, evidenzbasiert, mehrsitzungsfähig, wahrt die Autonomie.

Ask: Wie viele Zigaretten rauchen Sie aktuell und seit wann?

Advise: Wenn Sie jetzt aufhören, kann sich Ihre Lungenfunktion stabilisieren. Wollen Sie hören, was die Forschung sagt?

Assess: Auf einer Skala 0 bis 10, wie wichtig ist Ihnen das Aufhören, und wie zuversichtlich sind Sie?

Assist: Ich kann Ihnen Nikotinersatz zeigen und eine Beratung arrangieren. Was wäre ein hilfreicher erster Schritt?

Arrange: Wann sehen wir uns wieder? Wir können das auch per Telefon zwei Wochen nach Entlassung weiterführen.

Lerntipp: Präge dir ein Beratungsmodell mit seinen Phasen fest ein (5-A eignet sich hervorragend). In der Prüfung kannst du es dann auf jedes Beratungsthema anwenden, von Diabetes bis Sturz.

3AA2 · Aufgabe 2.310 PunkteSchwerpunkt II.2: Beratung und Anleitung

Frau Schulz sagt: Was bringt das jetzt noch? Den Schaden hab ich doch schon. a) Nennen Sie drei evidenzbasierte Argumente für eine Entwöhnung auch mit 72 und COPD GOLD III. b) Wie kommunizieren Sie ohne Druck?

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a) Die Krankheitsprogression verlangsamt sich (FEV1-Abfall normalisiert sich rund ein Jahr nach Stopp, Fletcher-Peto). Die Exazerbationsrate sinkt um 30 bis 40 Prozent, also weniger Klinikaufenthalte. Lebensqualität steigt, kardiovaskuläres Risiko sinkt.

b) Ich erkläre Ihnen die Möglichkeiten statt Sie müssen aufhören. Frau Schulz entscheidet selbst, die Pflegekraft bietet Wissen und Unterstützung, keine moralische Wertung.

Lerntipp: Zahlen wirken. Wenn du eine konkrete Evidenz nennst (30 bis 40 Prozent weniger Exazerbationen), hebt sich deine Antwort sofort ab. Sammle solche Kennzahlen zu den großen Themen.

So bereitest du dich vor

  • Präge dir ein Beratungsmodell (5-A) mit allen Phasen fest ein.
  • Übe wörtliche Rede, denn Kommunikationsaufgaben verlangen konkrete Formulierungen.
  • Merke dir den Unterschied zwischen Informieren und Belehren, das ist der häufigste Bewertungshebel.

Schnell-Check zum Selbsttesten

1 Fragen
1

Wofür stehen die fünf A im 5-A-Modell der Tabakentwöhnung?

Nicht ganz. Ask, Advise, Assess, Assist, Arrange ist das evidenzbasierte Kurzberatungsmodell der Tabakentwöhnung und lässt sich auf viele Beratungsanlässe übertragen.

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