Schriftliche Prüfung, Aufsichtsarbeit 1 (AA1)

Kompetenzbereich I: Pflegeprozesse und Pflegediagnostik

Kompetenzbereich I ist das Herzstück der schriftlichen Prüfung (Aufsichtsarbeit 1). Geprüft wird, ob du aus einer realen Situation Pflegediagnosen ableiten, evidenzbasierte Maßnahmen begründen und die Selbstpflege der zu pflegenden Person fördern kannst. Üb an der echten Klausur unten.

Pflegesituation zum Fallbeispiel: Kompetenzbereich I: Pflegeprozesse und Pflegediagnostik

Fall-Vignette

Frau Helga Schulz, 72 Jahre, wurde nachts in der Notaufnahme aufgenommen. Diagnose: akute Exazerbation einer COPD GOLD III, Gruppe E mit ambulant erworbener Pneumonie im rechten Unterlappen. Aufnahme: SpO2 86 Prozent an Raumluft, Atemfrequenz 26 pro Minute, Herzfrequenz 112, Temperatur 38,9 Grad, BGA mit pH 7,33, paO2 56 mmHg, paCO2 52 mmHg, CRP 96 mg/L. Sie ist verwitwet, lebt allein, raucht 8 bis 10 Zigaretten täglich und hat vier gescheiterte Entwöhnungsversuche hinter sich (letzter 2019 nach dem Tod ihres Mannes). Es liegt eine Patientenverfügung vor: NIV ja, invasive Beatmung nein. Sie sagt im Aufnahmegespräch: Manche hier behandeln mich, als wäre ich selber schuld.

1AA1 · Aufgabe 1.112 PunkteSchwerpunkt I.1: Pflegeprozess akut und dauerhaft

Formulieren Sie aus der Vignette drei pflegerelevante Pflegediagnosen nach dem PESR-Schema (Problem, Ätiologie, Symptome, Ressourcen) aus drei unterschiedlichen pflegerischen Bereichen.

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Diagnose 1, Ineffektive Atemwegsreinigung: P ineffektive Atemwegsreinigung; A bakterielle Atemwegsinfektion plus reduzierte Hustenkraft bei Erschöpfung; S produktiver Husten, basale Rasselgeräusche rechts, AF 26, SpO2 91 Prozent an 2 L O2; R orientiert, kooperationsbereit, kennt die Lippenbremse.

Diagnose 2, Aktivitätsintoleranz: P Aktivitätsintoleranz; A hypoxämische respiratorische Erschöpfung; S Belastungsdyspnoe bei kurzer Mobilisation, SpO2-Abfall, Pausen nach 5 Metern; R will eigenständig mobil bleiben.

Diagnose 3, Situationsbedingt geringes Selbstwertgefühl: P geringes Selbstwertgefühl; A Selbstvorwurf und wahrgenommene Stigmatisierung; S Aussage selber schuld, Rückzug, leises Weinen; R tragfähige Beziehung zur Tochter, klares Sprachvermögen.

Wichtig: jede Diagnose muss konkreten Befundbezug zur Vignette haben. Eine Diagnose ohne Vignettenbezug gibt null Punkte, weil die Transferleistung geprüft wird.

Lerntipp: Lerne PESR als festes Schema und trainiere, zu jedem Symptom den konkreten Messwert aus dem Fall zu zitieren. Genau dieser Bezug bringt die Punkte.

2AA1 · Aufgabe 1.210 PunkteSchwerpunkt I.1: Pflegeprozess akut und dauerhaft

Begründen Sie für die Pflegediagnose mit dem höchsten Akutrisiko drei evidenzbasierte Maßnahmen (Handlung, Wirkmechanismus, Bezug zu DNQP-Standard oder Leitlinie).

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PEP-Therapie (Acapella oder Flutter) 3x täglich 10 Minuten: positiver exspiratorischer Druck hält die Atemwege offen, reduziert Air Trapping, mobilisiert Sekret. Bezug: DNQP-Expertenstandard und GOLD-Leitlinie 2024.

Atemerleichternde Lagerung plus Lippenbremse: Thoraxraum-Erweiterung, exspiratorischer Widerstand verhindert Atemwegskollaps. Bezug: GOLD-Empfehlung.

Sekretverflüssigung durch Hydration 2 bis 2,5 L und isotone Kochsalz-Inhalation: dünnflüssigeres Sekret ist leichter abhustbar. Bezug: DNQP Pneumonieprophylaxe.

Lerntipp: Für jede Maßnahme immer drei Bausteine liefern: was du tust, warum es physiologisch wirkt, und welche Leitlinie oder welcher Standard es stützt. Ein Baustein fehlt, ein Punkt weg.

3AA1 · Aufgabe 1.410 PunkteSchwerpunkt I.5: Selbstpflege fördern und Autonomie

a) Welche Konsequenz hat die Patientenverfügung NIV ja, invasive Beatmung nein für Ihr pflegerisches Handeln bei akuter Verschlechterung? b) Wie fördern Sie die Selbstpflegekompetenz von Frau Schulz?

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a) NIV ist indiziert und erlaubt, Intubation und invasive Beatmung sind ausgeschlossen, auch wenn medizinisch indiziert. Pflegerisch: enge Beobachtung, rasche Alarmierung, NIV-Bereitschaft prüfen, Tochter informieren, Verfügung im Team kommunizieren (Paragraph 1827 BGB).

b) Inhalationstechnik aktiv üben (Patientin demonstriert vor Entlassung selbst, denn 40 bis 60 Prozent machen Anwendungsfehler). Symptom- und Inhalations-Tagebuch führen (stärkt Selbstwirksamkeit nach Bandura, erkennt Verschlechterung früh).

Lerntipp: Merke die neue Rechtsgrundlage: Patientenverfügung ist Paragraph 1827 BGB (nicht mehr 1901a). Freiheitsentziehende Maßnahmen sind Paragraph 1831 BGB (nicht mehr 1906). Das wird gern geprüft.

4AA1 · Aufgabe 1.510 PunkteSchwerpunkt I.6: Herausfordernde Lebenssituationen begleiten

Frau Schulz weint leise, wischt die Tränen weg und sagt: Achten Sie nicht auf mich, mir geht es gut. a) Wie reagieren Sie konkret (wörtliche Rede)? b) Warum ist die Trauer für die Pflegeplanung relevant?

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a) Beispielsätze: Ich sehe, dass Sie gerade etwas berührt. Möchten Sie einen Moment reden, oder ist es Ihnen lieber, ich komme später wieder? Oder: Sie müssen vor mir nicht stark sein. Empathisch, gibt die Wahl, wertet nicht ab.

b) Trauer wirkt auf Schlaf, Appetit, Adhärenz und Reha-Motivation (biopsychosoziale Sicht, KB I.6). Schuldgefühle wegen des Rauchens und Trauer verschmelzen zur Schamspirale, die Pflegebeziehung kann sie unterbrechen. Entlassungsplanung: Tochter, soziales Netz, Trauerbegleitung als Ressource einbeziehen.

Lerntipp: Bei herausfordernden Gesprächssituationen punktest du mit konkreter wörtlicher Rede plus fachlicher Begründung. Floskeln reichen nicht, die Prüfung will die genaue Formulierung sehen.

So bereitest du dich vor

  • Übe das PESR-Schema an mindestens fünf verschiedenen Fallvignetten, bis es sitzt.
  • Lege dir zu jedem großen Krankheitsbild drei typische Pflegediagnosen mit Maßnahmen bereit.
  • Trainiere, aus Messwerten (SpO2, AF, BGA) direkt pflegerische Schlüsse zu ziehen.

Schnell-Check zum Selbsttesten

2 Fragen
1

Welche Reihenfolge hat der Pflegeprozess nach Fiechter und Meier korrekt?

Nicht ganz. Der sechsphasige Pflegeprozess beginnt mit der Informationssammlung und endet mit der Evaluation, die zurück in die nächste Sammlung führt (Regelkreis).

2

Wofür steht das R im PESR-Schema der Pflegediagnose?

Nicht ganz. PESR steht für Problem, Ätiologie, Symptome, Ressourcen. Die Ressource ist entscheidend, weil sie den Ansatzpunkt für die Förderung der Selbstpflege liefert.

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  1. 1Der Pflegeprozess als roter Faden
  2. 2Medikamente verstehen statt pauken
  3. 3Notfälle früh erkennen
  4. 4Recht und Ethik ohne Angst
  5. 5Wie dein Gehirn unter Druck lernt

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