Aus der Praxis
Warum Aktivierung bei Demenz so wichtig ist
Aktivierungsmethoden im Überblick
10-Minuten-Aktivierung
Eine niedrigschwellige Methode, die mit biografisch bedeutsamen Gegenständen arbeitet. In einer Schachtel werden Alltagsgegenstände zu einem Thema gesammelt (z.B. Küchengegenstände, Werkzeug, Gartenartikel). Der Bewohner nimmt die Gegenstände in die Hand, befühlt sie und erzählt spontan dazu. Die Aktivierung ist zeitlich begrenzt (10 bis 15 Minuten), um Überforderung zu vermeiden, und orientiert sich an der Aufmerksamkeitsspanne.
Snoezelen
Multisensorische Stimulation in einer reizarmen, angenehmen Umgebung. Lichteffekte, sanfte Musik, Düfte und taktile Materialien regen die Sinne an, ohne zu überfordern. Snoezelen kann Unruhe und Angst reduzieren und einen Zustand der Entspannung und des Wohlbefindens fördern. Es ist besonders für Menschen in der mittleren und schweren Demenzphase geeignet.
Basale Stimulation
Ein Konzept, das grundlegende Sinneserfahrungen anbietet: somatische Stimulation (Berührung, Waschungen), vestibuläre Stimulation (Schaukeln, Lageveränderungen), vibratorische Stimulation (Summen, Vibration auf dem Brustkorb). Basale Stimulation eignet sich für Menschen mit schwerer Demenz, die kaum noch auf verbale Ansprache reagieren. Sie fördert Körperwahrnehmung und Wohlbefinden.
Bewegungsangebote
An die Fähigkeiten angepasste Bewegung fördert Mobilität, Gleichgewicht und Stimmung. Im Sitzen: Ballspiele, Sitztänze, Bewegung mit Tüchern. Im Stehen: leichte Gymnastik, Tanzen zu vertrauter Musik. Selbst bei bettlägerigen Menschen können passive Bewegungsübungen und Handmassagen aktivierend wirken. Musik als Begleitung steigert Motivation und Freude.
Aktivierung nach Demenzstadium
Leichte Demenz: Ressourcenorientierte Aktivierung
Die Person hat noch viele erhaltene Fähigkeiten. Geeignet sind: Gesellschaftsspiele (vereinfacht), Singen in der Gruppe, Gartenarbeit, Kochgruppen, Zeitungsrunde, Spaziergänge. Wichtig ist, Erfolgserlebnisse zu ermöglichen und Überforderung zu vermeiden. Die Person sollte an der Auswahl der Aktivitäten beteiligt werden. Die Betreuungskraft übernimmt eine moderierende, nicht belehrende Rolle.
Mittlere Demenz: Biografisch orientierte Aktivierung
Die kognitive Leistungsfähigkeit ist deutlich eingeschränkt. 10-Minuten-Aktivierung, Snoezelen, Singen vertrauter Lieder, Falten von Handtüchern oder Sortieren von Gegenständen nach Farbe oder Größe sind geeignete Angebote. Die Biografie dient als Schlüssel: Wer früher gern gekocht hat, reagiert auf das Schälen von Kartoffeln. Wer früher im Garten gearbeitet hat, genießt das Umtopfen von Pflanzen. Gruppenaktivitäten in kleinen Gruppen (3 bis 5 Personen) sind möglich.
Schwere Demenz: Sinnesorientierte Einzelaktivierung
Gruppenaktivitäten sind meist nicht mehr möglich. Die Aktivierung erfolgt als Einzelkontakt und richtet sich an die Sinne: Berührung (Handmassage, Eincremen), Geruch (vertraute Düfte wie Lavendel, Kaffee), Gehör (Lieblingsmusik, leises Summen), Sehen (Lichteffekte, Farbkontraste). Die Basale Stimulation bietet ein differenziertes Konzept für diese Phase. Auch kurze Aktivierungsmomente von wenigen Minuten können wertvoll sein.
Dokumentation von Aktivierungsangeboten
Aktivierung bedeutet nicht, jemanden zu beschäftigen. Aktivierung bedeutet, einem Menschen zu ermöglichen, sich lebendig zu fühlen.
Selbstcheck
Kenne ich die Methoden 10-Minuten-Aktivierung, Snoezelen und Basale Stimulation und kann sie unterscheiden?
Kann ich Aktivierungsangebote an das jeweilige Demenzstadium anpassen?
Nutze ich biografisches Wissen bei der Auswahl von Aktivierungsangeboten?
Weiß ich, wann Einzel- und wann Gruppenaktivitäten angemessen sind?
Dokumentiere ich Aktivierungsangebote und die Reaktionen der Bewohner systematisch?
Erkenne ich Zeichen von Überforderung oder Unterforderung während der Aktivierung?
Reflektiere ich regelmäßig, ob meine Aktivierungsangebote noch den aktuellen Fähigkeiten der Bewohner entsprechen?
Nächster Schritt: Fortbildung
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