Aus der Praxis
Besonderheiten pädiatrischer Notfälle
Altersadaptierte Vitalparameter
Neugeborene (0 bis 28 Tage)
Herzfrequenz 120 bis 160/min, Atemfrequenz 30 bis 60/min, systolischer Blutdruck 60 bis 80 mmHg. Gewicht ca. 3 bis 4 kg. Besondere Empfindlichkeit gegenüber Hypothermie und Hypoglykämie.
Säuglinge (1 bis 12 Monate)
Herzfrequenz 100 bis 140/min, Atemfrequenz 25 bis 40/min, systolischer Blutdruck 70 bis 90 mmHg. Gewicht ca. 4 bis 10 kg. Obligate Nasenatmung in den ersten Monaten beachten.
Kleinkinder (1 bis 5 Jahre)
Herzfrequenz 80 bis 120/min, Atemfrequenz 20 bis 30/min, systolischer Blutdruck 80 bis 100 mmHg. Gewicht ca. 10 bis 20 kg. Beginnende verbale Kooperation möglich.
Gewichtsschätzung und Dosierungshilfen
Häufige pädiatrische Notfälle
Fieberkrampf
Häufigster Krampfanfall im Kindesalter (2 bis 5 Prozent aller Kinder). Meist selbstlimitierend innerhalb von 2 bis 5 Minuten. Therapie: Seitenlage, Schutz vor Verletzung, Fiebersenkung. Bei prolongiertem Krampf (über 5 Minuten): Midazolam intranasal oder bukkal. Eltern beruhigen und aufklären, dass ein einfacher Fieberkrampf in der Regel keine bleibenden Schäden verursacht.
Pseudokrupp (Stenosierende Laryngotracheitis)
Typisch bei Kindern zwischen 6 Monaten und 3 Jahren, bevorzugt in den Herbst- und Wintermonaten. Bellender Husten, inspiratorischer Stridor, Heiserkeit. Therapie: Beruhigung des Kindes (Aufregung verschlimmert die Symptomatik), aufrechte Lagerung auf dem Schoß der Eltern, kühle Luft. Bei schwerer Atemnot: inhalatives Adrenalin, Prednisolon oder Dexamethason rektal oder oral.
Anaphylaxie im Kindesalter
Lebensbedrohliche allergische Reaktion. Bei Kindern häufig durch Nahrungsmittel (Erdnüsse, Milch, Ei) ausgelöst. Therapie: Adrenalin i.m. (0,01 mg/kg, maximal 0,5 mg), Volumensubstitution, Antihistaminika, Prednisolon. Beachten: Bei bekannter Allergie tragen viele Kinder einen Adrenalin-Autoinjektor. Eltern nach Vormedikation und Allergie-Ausweis fragen.
Respiratorische Notfälle
Kinder dekompensieren über die Atmung schneller als Erwachsene. Obstruktive Bronchitis, Asthma, Fremdkörperaspiration und Epiglottitis erfordern schnelles Handeln. Sauerstoffgabe (möglichst angstfrei über die Eltern), inhalative Therapie und bei Verdacht auf Fremdkörper gezielte Maßnahmen nach Alter: Rückenschläge bei Säuglingen, Heimlich-Manöver ab Schulkindalter.
Kommunikation mit Eltern und Kind
Selbstcheck
Kenne ich die altersspezifischen Vitalparameter für Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder?
Kann ich das Broselow-Tape korrekt anwenden und die Farbzonen interpretieren?
Beherrsche ich die Dosisberechnung für die wichtigsten pädiatrischen Notfallmedikamente?
Kenne ich den Unterschied zwischen einfachem und kompliziertem Fieberkrampf?
Kann ich einen Pseudokrupp-Anfall von einer Epiglottitis unterscheiden?
Bin ich in der Lage, Eltern in die Versorgung einzubinden und gleichzeitig das Kind altersgerecht zu betreuen?
Trainiere ich pädiatrische Szenarien regelmäßig, obwohl sie im Einsatzalltag selten vorkommen?
Nächster Schritt: Fortbildung
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