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Pädiatrische Notfälle im Rettungsdienst: Sicher handeln bei den Kleinsten

Besonderheiten pädiatrischer Notfälle: Altersabhängige Vitalwerte, Broselow-System, häufige Notfallbilder und Kommunikation mit Eltern.

DTDennis Tefett|14 Min Lesezeit|Feb 2026Kostenlos
PädiatrieKindernotfallRettungsdienstBroselow
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Aus der Praxis

Notfallsanitäter Kevin wird zu einem 3-jährigen Kind mit Fieberkrampf gerufen. Die Eltern sind panisch, das Kind ist zyanotisch und krampft. Kevin bemerkt, wie seine eigene Anspannung steigt. Pädiatrische Notfälle machen nur etwa 10 Prozent aller Einsätze aus, und die letzte Fortbildung zu diesem Thema liegt Monate zurück. Kevin weiß: Gerade weil Kindernotfälle selten sind, braucht er ein strukturiertes Vorgehen und regelmäßiges Training.

Besonderheiten pädiatrischer Notfälle

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Dieser viel zitierte Grundsatz hat im Rettungsdienst eine unmittelbare praktische Bedeutung. Anatomische Unterschiede (relativ großer Kopf, enger Atemweg, kurzer Hals), physiologische Besonderheiten (höhere Atemfrequenz, höhere Herzfrequenz, geringere Kompensationsreserven) und psychologische Faktoren (Angst, fehlende Kooperationsfähigkeit, Elternpräsenz) erfordern angepasste Strategien in Diagnostik und Therapie.
Viele Fehler in der pädiatrischen Notfallversorgung entstehen durch die Übertragung von Erwachsenen-Algorithmen auf Kinder. Ein Kind kompensiert Volumenverlust lange über eine Tachykardie, bevor der Blutdruck fällt. Wenn der Blutdruck eines Kindes sinkt, ist die Dekompensation bereits weit fortgeschritten. Das Erkennen subtiler Warnsignale (erhöhte Atemarbeit, verlängerte Rekapillarisierungszeit, verändertes Bewusstsein) ist daher im Kindesalter besonders wichtig und erfordert spezifisches Training.

Altersadaptierte Vitalparameter

Neugeborene (0 bis 28 Tage)

Herzfrequenz 120 bis 160/min, Atemfrequenz 30 bis 60/min, systolischer Blutdruck 60 bis 80 mmHg. Gewicht ca. 3 bis 4 kg. Besondere Empfindlichkeit gegenüber Hypothermie und Hypoglykämie.

Säuglinge (1 bis 12 Monate)

Herzfrequenz 100 bis 140/min, Atemfrequenz 25 bis 40/min, systolischer Blutdruck 70 bis 90 mmHg. Gewicht ca. 4 bis 10 kg. Obligate Nasenatmung in den ersten Monaten beachten.

Kleinkinder (1 bis 5 Jahre)

Herzfrequenz 80 bis 120/min, Atemfrequenz 20 bis 30/min, systolischer Blutdruck 80 bis 100 mmHg. Gewicht ca. 10 bis 20 kg. Beginnende verbale Kooperation möglich.

Gewichtsschätzung und Dosierungshilfen

Die korrekte Gewichtsschätzung ist der Schlüssel zur sicheren Medikamentendosierung bei Kindern. Das Broselow-Tape (Pädiatrisches Notfalllineal) ermöglicht eine schnelle Gewichtsschätzung anhand der Körperlänge und ordnet dem Kind eine Farbzone zu, die vorgefertigte Dosierungen und Materialgrößen enthält. Alternativ können altersbasierte Formeln verwendet werden: Gewicht in kg = (Alter in Jahren + 4) x 2. Diese Faustformel gilt für Kinder von 1 bis 10 Jahren. Digitale Dosierungshilfen auf Tablets oder Smartphones ergänzen diese Werkzeuge und bieten eine zusätzliche Sicherheitsebene.

Häufige pädiatrische Notfälle

1

Fieberkrampf

Häufigster Krampfanfall im Kindesalter (2 bis 5 Prozent aller Kinder). Meist selbstlimitierend innerhalb von 2 bis 5 Minuten. Therapie: Seitenlage, Schutz vor Verletzung, Fiebersenkung. Bei prolongiertem Krampf (über 5 Minuten): Midazolam intranasal oder bukkal. Eltern beruhigen und aufklären, dass ein einfacher Fieberkrampf in der Regel keine bleibenden Schäden verursacht.

2

Pseudokrupp (Stenosierende Laryngotracheitis)

Typisch bei Kindern zwischen 6 Monaten und 3 Jahren, bevorzugt in den Herbst- und Wintermonaten. Bellender Husten, inspiratorischer Stridor, Heiserkeit. Therapie: Beruhigung des Kindes (Aufregung verschlimmert die Symptomatik), aufrechte Lagerung auf dem Schoß der Eltern, kühle Luft. Bei schwerer Atemnot: inhalatives Adrenalin, Prednisolon oder Dexamethason rektal oder oral.

3

Anaphylaxie im Kindesalter

Lebensbedrohliche allergische Reaktion. Bei Kindern häufig durch Nahrungsmittel (Erdnüsse, Milch, Ei) ausgelöst. Therapie: Adrenalin i.m. (0,01 mg/kg, maximal 0,5 mg), Volumensubstitution, Antihistaminika, Prednisolon. Beachten: Bei bekannter Allergie tragen viele Kinder einen Adrenalin-Autoinjektor. Eltern nach Vormedikation und Allergie-Ausweis fragen.

4

Respiratorische Notfälle

Kinder dekompensieren über die Atmung schneller als Erwachsene. Obstruktive Bronchitis, Asthma, Fremdkörperaspiration und Epiglottitis erfordern schnelles Handeln. Sauerstoffgabe (möglichst angstfrei über die Eltern), inhalative Therapie und bei Verdacht auf Fremdkörper gezielte Maßnahmen nach Alter: Rückenschläge bei Säuglingen, Heimlich-Manöver ab Schulkindalter.

Kommunikation mit Eltern und Kind

Die psychologische Komponente pädiatrischer Notfälle wird häufig unterschätzt. Panische Eltern übertragen ihre Angst auf das Kind und können die Versorgung erschweren. Gleichzeitig sind Eltern die wichtigsten Bezugspersonen und können die Kooperation des Kindes erheblich verbessern.
Bewährte Kommunikationsstrategien: Eltern aktiv einbinden (Kind auf dem Schoß lassen, Elternteil als Helferin oder Helfer einsetzen), altersgerecht mit dem Kind sprechen (einfache Worte, keine medizinischen Fachbegriffe), Maßnahmen ankündigen und erklären. Bei lebensbedrohlichen Situationen: klare Anweisungen an die Eltern geben und konkrete Aufgaben verteilen (z.B. Tür öffnen, Medikamente zeigen, Impfausweis suchen). Eine ruhige, kontrollierte Ausstrahlung des Rettungsteams überträgt sich auf die gesamte Einsatzstelle.

Selbstcheck

Kenne ich die altersspezifischen Vitalparameter für Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder?

Kann ich das Broselow-Tape korrekt anwenden und die Farbzonen interpretieren?

Beherrsche ich die Dosisberechnung für die wichtigsten pädiatrischen Notfallmedikamente?

Kenne ich den Unterschied zwischen einfachem und kompliziertem Fieberkrampf?

Kann ich einen Pseudokrupp-Anfall von einer Epiglottitis unterscheiden?

Bin ich in der Lage, Eltern in die Versorgung einzubinden und gleichzeitig das Kind altersgerecht zu betreuen?

Trainiere ich pädiatrische Szenarien regelmäßig, obwohl sie im Einsatzalltag selten vorkommen?

🚑

Nächster Schritt: Fortbildung

Trainieren Sie pädiatrische Notfallszenarien in unseren praxisnahen Refresher-Kursen. Mit Kindersimulatoren, realistischen Szenarien und strukturiertem Debriefing stärken Sie Ihre Handlungssicherheit für die seltensten und zugleich stressreichsten Einsätze. Jetzt informieren unter /seminare/refresher-kurse.

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