Aus der Praxis
Was ist Crew Resource Management?
Die CRM-Leitsätze für den Rettungsdienst
Kenne Deine Arbeitsumgebung
Mache Dich zu Schichtbeginn mit dem Fahrzeug, der Ausstattung und dem Material vertraut. Prüfe Medikamente, Geräte und deren Funktionsfähigkeit. Wer seine Arbeitsumgebung kennt, kann im Notfall schneller und sicherer handeln. Dazu gehört auch das Kennen der eigenen Grenzen und der Grenzen des Teampartners.
Kommuniziere sicher
Nutze Closed-Loop-Kommunikation: Der Sender gibt eine Anweisung, der Empfänger wiederholt sie, und der Sender bestätigt. So werden Missverständnisse unter Stress minimiert. Sprich laut aus, was Du tust, beobachtest oder planst. Vermeide vage Formulierungen und benenne Personen direkt mit Namen.
Nutze das 10-for-10-Prinzip
Investiere 10 Sekunden in die Planung, bevor Du 10 Minuten handelst. Auch im Notfall lohnt sich ein kurzer Moment des Innehaltens, um die Situation zu bewerten, Prioritäten zu setzen und das Vorgehen im Team abzusprechen. Dieser bewusste Stopp verhindert blinden Aktionismus und sorgt für ein koordiniertes Vorgehen.
Verteile die Arbeitsbelastung
Ein überlastetes Teammitglied macht Fehler. Verteile Aufgaben klar und benenne Verantwortlichkeiten. Nutze alle verfügbaren Ressourcen, auch Ersthelfer, Feuerwehr oder Polizei, um die Arbeitsbelastung zu verteilen. Erkenne Überlastungszeichen bei Dir selbst und Deinem Teampartner.
Fordere Hilfe an, bevor es zu spät ist
Frühzeitiges Nachfordern von Unterstützung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Professionalität. Ob Notarzt, zweiter RTW oder Leitstellenunterstützung: Wer rechtzeitig Hilfe anfordert, verbessert das Patientenergebnis. Die Schwelle zur Nachforderung sollte bewusst niedrig gehalten werden.
Strukturierte Übergabe: SBAR im Rettungsdienst
S: Situation
Kurze Beschreibung der aktuellen Lage: Wer ist der Patient, was ist das Leitsymptom, wie ist der aktuelle Zustand? In ein bis zwei Sätzen wird die Kernproblematik benannt.
B: Background
Relevante Vorgeschichte: Vorerkrankungen, Dauermedikation, Allergien, bisherige Behandlung auf der Einsatzstelle. Nur die Informationen, die für die Weiterbehandlung relevant sind.
A: Assessment
Eigene Einschätzung der Situation: Verdachtsdiagnose, Schweregrad, aktuelle Vitalparameter, Trend (Verschlechterung, stabil, Verbesserung). Klinischer Eindruck des Teams.
R: Recommendation
Empfehlung für das weitere Vorgehen: Welche Maßnahmen sind noch offen, welche Diagnostik wird empfohlen, gibt es besondere Hinweise für die aufnehmende Klinik?
Im Rettungsdienst rettet nicht der Einzelne Leben, sondern das Team. CRM ist das Betriebssystem, auf dem sichere Teamarbeit läuft.
Fehlerkultur und Nachbesprechung
Selbstcheck
Kann ich die CRM-Leitsätze benennen und in der Praxis anwenden?
Nutze ich Closed-Loop-Kommunikation bei der Medikamentengabe und invasiven Maßnahmen?
Wende ich das 10-for-10-Prinzip an, bevor ich in kritischen Situationen handle?
Kenne ich das SBAR-Schema und nutze es bei jeder Übergabe?
Spreche ich Bedenken im Team offen an, auch wenn ich hierarchisch untergeordnet bin?
Nehme ich an Nachbesprechungen nach kritischen Einsätzen teil und trage konstruktiv bei?
Erkenne ich Überlastungszeichen bei mir und meinem Teampartner?
Nächster Schritt: Fortbildung
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