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Crew Resource Management im Rettungsdienst: Sicherer arbeiten im Team

CRM-Prinzipien für den präklinischen Einsatz: 10-für-10-Prinzip, Closed-Loop-Kommunikation, strukturierte Übergabe und Fehlermanagement unter Stress.

DTDennis Tefett|11 Min Lesezeit|Feb 2026Kostenlos
CRMTeamarbeitKommunikationPatientensicherheit
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Aus der Praxis

Notfallsanitäterin Lena und ihr Teampartner Marco versorgen einen Patienten mit Thoraxschmerzen. Marco bereitet eigenständig Heparin vor, während Lena noch das 12-Kanal-EKG anlegt. Keiner spricht aus, was er tut. Als Lena bemerkt, dass Marco bereits das Medikament aufzieht, entsteht Unsicherheit: Wurde die Dosis kontrolliert? Hat der Patient Kontraindikationen? Ein kurzer Moment fehlender Kommunikation hätte beinahe zu einem Medikamentenfehler geführt.

Was ist Crew Resource Management?

Crew Resource Management (CRM) ist ein Konzept, das ursprünglich in der Luftfahrt entwickelt wurde, um menschliche Fehler in hochkomplexen, zeitkritischen Situationen zu reduzieren. Im Rettungsdienst hat sich CRM als unverzichtbares Werkzeug etabliert, weil die präklinische Notfallversorgung unter ähnlichen Bedingungen stattfindet: hoher Zeitdruck, unvollständige Informationen, wechselnde Teams und potenziell lebensbedrohliche Konsequenzen bei Fehlern.
CRM zielt darauf ab, alle verfügbaren Ressourcen im Team optimal zu nutzen, Kommunikation zu strukturieren und eine Fehlerkultur zu etablieren, die Beinahe-Fehler als Lernchancen begreift. Im Gegensatz zu rein fachlichen Fortbildungen adressiert CRM die sogenannten Human Factors: Wahrnehmung, Entscheidungsfindung, Stress, Müdigkeit und Teamdynamik. Studien aus der Notfallmedizin zeigen, dass CRM- Training die Teamleistung messbar verbessert und vermeidbare Patientenschäden reduziert.

Die CRM-Leitsätze für den Rettungsdienst

1

Kenne Deine Arbeitsumgebung

Mache Dich zu Schichtbeginn mit dem Fahrzeug, der Ausstattung und dem Material vertraut. Prüfe Medikamente, Geräte und deren Funktionsfähigkeit. Wer seine Arbeitsumgebung kennt, kann im Notfall schneller und sicherer handeln. Dazu gehört auch das Kennen der eigenen Grenzen und der Grenzen des Teampartners.

2

Kommuniziere sicher

Nutze Closed-Loop-Kommunikation: Der Sender gibt eine Anweisung, der Empfänger wiederholt sie, und der Sender bestätigt. So werden Missverständnisse unter Stress minimiert. Sprich laut aus, was Du tust, beobachtest oder planst. Vermeide vage Formulierungen und benenne Personen direkt mit Namen.

3

Nutze das 10-for-10-Prinzip

Investiere 10 Sekunden in die Planung, bevor Du 10 Minuten handelst. Auch im Notfall lohnt sich ein kurzer Moment des Innehaltens, um die Situation zu bewerten, Prioritäten zu setzen und das Vorgehen im Team abzusprechen. Dieser bewusste Stopp verhindert blinden Aktionismus und sorgt für ein koordiniertes Vorgehen.

4

Verteile die Arbeitsbelastung

Ein überlastetes Teammitglied macht Fehler. Verteile Aufgaben klar und benenne Verantwortlichkeiten. Nutze alle verfügbaren Ressourcen, auch Ersthelfer, Feuerwehr oder Polizei, um die Arbeitsbelastung zu verteilen. Erkenne Überlastungszeichen bei Dir selbst und Deinem Teampartner.

5

Fordere Hilfe an, bevor es zu spät ist

Frühzeitiges Nachfordern von Unterstützung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Professionalität. Ob Notarzt, zweiter RTW oder Leitstellenunterstützung: Wer rechtzeitig Hilfe anfordert, verbessert das Patientenergebnis. Die Schwelle zur Nachforderung sollte bewusst niedrig gehalten werden.

Strukturierte Übergabe: SBAR im Rettungsdienst

Eine strukturierte Übergabe ist einer der kritischsten Momente in der Rettungskette. Bei der Übergabe vom Rettungsdienst an die Notaufnahme gehen Studien zufolge bis zu 30 Prozent der relevanten Informationen verloren, wenn kein strukturiertes Schema verwendet wird. Das SBAR-Schema (Situation, Background, Assessment, Recommendation) bietet einen einfachen, universell einsetzbaren Rahmen, der alle relevanten Informationen in einer logischen Reihenfolge strukturiert.

S: Situation

Kurze Beschreibung der aktuellen Lage: Wer ist der Patient, was ist das Leitsymptom, wie ist der aktuelle Zustand? In ein bis zwei Sätzen wird die Kernproblematik benannt.

B: Background

Relevante Vorgeschichte: Vorerkrankungen, Dauermedikation, Allergien, bisherige Behandlung auf der Einsatzstelle. Nur die Informationen, die für die Weiterbehandlung relevant sind.

A: Assessment

Eigene Einschätzung der Situation: Verdachtsdiagnose, Schweregrad, aktuelle Vitalparameter, Trend (Verschlechterung, stabil, Verbesserung). Klinischer Eindruck des Teams.

R: Recommendation

Empfehlung für das weitere Vorgehen: Welche Maßnahmen sind noch offen, welche Diagnostik wird empfohlen, gibt es besondere Hinweise für die aufnehmende Klinik?

Im Rettungsdienst rettet nicht der Einzelne Leben, sondern das Team. CRM ist das Betriebssystem, auf dem sichere Teamarbeit läuft.

Fehlerkultur und Nachbesprechung

Eine offene Fehlerkultur ist das Fundament von CRM. Im Rettungsdienst werden Fehler häufig tabuisiert, weil die Konsequenzen für Patienten gravierend sein können. Doch gerade deshalb ist es wichtig, Beinahe- Fehler offen anzusprechen und systematisch auszuwerten. Strukturierte Nachbesprechungen (Debriefings) nach kritischen Einsätzen helfen, aus Fehlern zu lernen, ohne Schuldzuweisungen.
Ein gutes Debriefing fragt nicht „Wer hat den Fehler gemacht?", sondern „Was hat dazu geführt, und wie können wir es beim nächsten Mal besser machen?". Die Struktur eines Debriefings folgt drei Phasen: Beschreibung (Was ist passiert?), Analyse (Warum ist es passiert?) und Transfer (Was nehmen wir mit?). Regelmäßige Debriefings fördern das gegenseitige Vertrauen im Team und schaffen eine Atmosphäre, in der Fehler als Lernchancen begriffen werden.

Selbstcheck

Kann ich die CRM-Leitsätze benennen und in der Praxis anwenden?

Nutze ich Closed-Loop-Kommunikation bei der Medikamentengabe und invasiven Maßnahmen?

Wende ich das 10-for-10-Prinzip an, bevor ich in kritischen Situationen handle?

Kenne ich das SBAR-Schema und nutze es bei jeder Übergabe?

Spreche ich Bedenken im Team offen an, auch wenn ich hierarchisch untergeordnet bin?

Nehme ich an Nachbesprechungen nach kritischen Einsätzen teil und trage konstruktiv bei?

Erkenne ich Überlastungszeichen bei mir und meinem Teampartner?

🚑

Nächster Schritt: Fortbildung

Stärken Sie Ihre CRM-Kompetenz in unseren praxisnahen Refresher-Kursen. In realitätsnahen Simulationsszenarien trainieren Sie strukturierte Kommunikation, Entscheidungsfindung unter Stress und die Zusammenarbeit im Team. Alle Kurse werden als Fortbildungsstunden anerkannt. Jetzt informieren unter /seminare/refresher-kurse.

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