RefresherZentrum 5.0
Refresher Kurse (24h)
Praxisanleitung (300h)
MT Praxisanleitung (24h)Empfohlen
KI-SeminareNeu
Führungskräfte
Inhouse-Schulungen
NewsletterFachwissen per E-MailBetreuungskräfteAktivierung, §43b & PraxiswissenExamensvorbereitungKostenlos für AuszubildendeGerontopsychiatrieDemenz, Validation & BiografiearbeitIntensivpflegeBeatmung, Monitoring & DelirMTR & RadiologieStrahlenschutz, MRT & CTPalliative CareSchmerz, Ethik & SterbebegleitungRettungsdienstNotfallmedizin, CRM & PflichtfortbildungWissen PraxisanleitendeFachartikel & RechtsgrundlagenWissensakademie50+ kostenlose Fachartikel
SoftwareÜber unsTeilnehmerbereich
Termin vereinbarenZur Lernplattform
🚑RettungsdienstArtikel 3 von 4

Medikamentenmanagement für Notfallsanitäter: Sicherheit durch System

Systematisches Medikamentenmanagement im Rettungsdienst: Dosierungsberechnungen, 5R-Regel, Fehlerprävention und Dokumentation der Medikamentengabe.

DTDennis Tefett|13 Min Lesezeit|Feb 2026Kostenlos
MedikamenteDosierungNotfallsanitäterSicherheit
🚑

Aus der Praxis

Notfallsanitäterin Sarah muss auf einer nächtlichen Einsatzfahrt einem Patienten mit anaphylaktischem Schock Adrenalin verabreichen. Die Ampulle hat eine Konzentration von 1:1000, sie benötigt aber 1:10000 für die intravenöse Gabe. Unter Zeitdruck, bei schlechter Beleuchtung und mit einem ängstlichen Patienten muss sie die korrekte Verdünnung berechnen. Ein systematisches Medikamentenmanagement hätte diese Situation deutlich entschärft.

Warum Medikamentenmanagement im Rettungsdienst besonders ist

Die präklinische Medikamentengabe unterscheidet sich fundamental von der innerklinischen Anwendung. Im Rettungsdienst fehlt die Apothekenkontrolle, die elektronische Verordnung und die pflegerische Doppelkontrolle. Medikamente werden unter Zeitdruck, bei schlechten Lichtverhältnissen und in unbekannten Umgebungen vorbereitet und appliziert. Die Fehlerquote bei der präklinischen Medikamentengabe ist daher signifikant höher als im Krankenhaus.
Hinzu kommt, dass Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter nach §2a NotSanG unter bestimmten Voraussetzungen eigenverantwortlich Medikamente verabreichen dürfen. Diese erweiterte Kompetenz erfordert ein hohes Maß an pharmakologischem Wissen, sichere Dosisberechnung und ein strukturiertes Fehlervermeidungssystem. Ein systematisches Medikamentenmanagement reduziert die Risiken der präklinischen Medikamentengabe erheblich und schützt sowohl Patienten als auch Rettungskräfte.

Die 5R-Regel in der Notfallmedizin

1

Richtiger Patient

Auch im Notfall muss sichergestellt werden, dass das Medikament dem richtigen Patienten verabreicht wird. Bei mehreren Patienten an einer Einsatzstelle ist eine klare Zuordnung unverzichtbar. Nutzen Sie Patientenarmbänder oder farbige Markierungen bei Großschadenslagen. Im Zweierteam: klare Zuordnung, wer welchen Patienten versorgt.

2

Richtiges Medikament

Lesen Sie den Namen auf der Ampulle laut vor, bevor Sie das Medikament aufziehen. Verwechslungen zwischen ähnlich aussehenden Ampullen (Look-Alike) oder ähnlich klingenden Namen (Sound-Alike) sind eine der häufigsten Fehlerquellen. Viele Rettungsdienstbereiche setzen auf farbcodierte Ampullen und standardisierte Medikamententaschen.

3

Richtige Dosis

Dosisberechnungen unter Stress sind fehleranfällig. Nutzen Sie vorberechnete Dosistabellen, Dosierungskarten oder digitale Hilfsmittel. Besonders bei pädiatrischen Notfällen ist eine gewichtsadaptierte Dosisberechnung unverzichtbar. Das Vier-Augen-Prinzip bei der Dosiskontrolle sollte immer angestrebt werden.

4

Richtiger Zeitpunkt

Manche Medikamente müssen sofort verabreicht werden (Adrenalin bei Anaphylaxie), andere erst nach Diagnostik (Amiodaron erst nach Rhythmusanalyse). Die Kenntnis der korrekten Indikation und des richtigen Applikationszeitpunkts ist ebenso wichtig wie die Dosis selbst. Dokumentieren Sie den Zeitpunkt jeder Gabe präzise.

5

Richtiger Applikationsweg

Intravenös, intraossär, inhalativ, intranasal oder intramuskulär: Der Applikationsweg beeinflusst Wirkungseintritt und Dosierung erheblich. Adrenalin 1:1000 wird intramuskulär bei Anaphylaxie gegeben, Adrenalin 1:10000 intravenös bei Reanimation. Eine Verwechslung kann lebensbedrohliche Folgen haben.

Wichtige Notfallmedikamente im Überblick

Adrenalin (Epinephrin)

Leitmedikament bei Reanimation und Anaphylaxie. Dosierung bei Reanimation: 1 mg i.v. alle 3 bis 5 Minuten. Bei Anaphylaxie: 0,3 bis 0,5 mg i.m. (Erwachsene). Beachten Sie die unterschiedlichen Konzentrationen und Applikationswege.

Amiodaron

Antiarrhythmikum bei schockrefraktärem Kammerflimmern und pulsloser ventrikulärer Tachykardie. Erstdosis 300 mg i.v. als Bolus, zweite Dosis 150 mg. Langsame Injektion über mindestens 3 Minuten bei hämodynamisch stabilen Rhythmusstörungen.

Midazolam

Benzodiazepin zur Therapie von Krampfanfällen und zur Sedierung. Intranasale Gabe bei Status epilepticus ohne i.v.-Zugang möglich (0,2 mg/kg). Atemdepression als wichtigste Nebenwirkung beachten, Flumazenil als Antagonist bereithalten.

Ketamin

Dissoziatives Anästhetikum zur Analgesie und Narkoseeinleitung. Analgetische Dosis: 0,25 bis 0,5 mg/kg i.v. Narkosedosis: 1 bis 2 mg/kg i.v. Vorteil: geringe Kreislaufdepression. Wichtig: Speichelfluss und psychomimetische Nebenwirkungen berücksichtigen.

Fehlervermeidung und Dokumentation

Jede Medikamentengabe im Rettungsdienst muss lückenlos dokumentiert werden: Medikament, Dosis, Applikationsweg, Uhrzeit, Wirkung und Nebenwirkungen. Digitale Einsatzprotokolle erleichtern diese Dokumentation erheblich. Darüber hinaus sollten Medikamentenzwischenfälle und Beinahe-Fehler systematisch erfasst und im Rahmen von CIRS-Meldungen (Critical Incident Reporting System) ausgewertet werden. Nur so können systemische Fehlerquellen identifiziert und behoben werden.
Bewährte Strategien zur Fehlervermeidung sind: standardisierte Medikamententaschen mit festen Plätzen für jedes Medikament, farbcodierte Spritzen und Aufkleber, vorberechnete Dosistabellen am Arbeitsplatz, regelmäßige Verfallsdatenkontrollen und ein fest definierter Ablauf für die Medikamentenvorbereitung (Aufziehen, Beschriften, Kontrollieren). Im Team hat sich das laute Vorlesen von Medikament, Dosis und Applikationsweg vor der Gabe als wirksame Sicherheitsbarriere bewährt.

Selbstcheck

Kann ich die 5R-Regel im Schlaf aufsagen und in jeder Einsatzsituation anwenden?

Kenne ich die Dosierungen der wichtigsten Notfallmedikamente für Erwachsene und Kinder?

Beherrsche ich die Verdünnungsberechnung für Adrenalin 1:1000 auf 1:10000?

Nutze ich vorberechnete Dosistabellen oder digitale Hilfsmittel zur Fehlerreduktion?

Dokumentiere ich jede Medikamentengabe lückenlos im Einsatzprotokoll?

Melde ich Beinahe-Fehler im CIRS-System, um systemische Verbesserungen zu ermöglichen?

Kontrolliere ich regelmäßig die Verfallsdaten und die Vollständigkeit meiner Medikamententasche?

🚑

Nächster Schritt: Fortbildung

Vertiefen Sie Ihr Wissen im Medikamentenmanagement in unseren zertifizierten Pflichtfortbildungen. Praxisnahe Übungen, Dosisberechnungen unter realistischen Bedingungen und der Umgang mit seltenen Notfallmedikamenten stehen im Mittelpunkt. Alle Seminare werden auf die jährlichen 30 Pflichtstunden angerechnet. Jetzt informieren unter /seminare/refresher-kurse.

Gefällt Ihnen dieser Artikel?

Erhalten Sie neue Fachartikel, Seminar-Updates und exklusive Praxistipps direkt in Ihr Postfach.

Weiterführend

Verwandte Fachartikel

Vertiefen Sie Ihr Wissen mit diesen thematisch passenden Artikeln.

🚑Rettungsdienst12 Min

Pflichtfortbildung Notfallsanitäter 2026: 30 Stunden, die zählen

Gesetzliche Anforderungen an die 30-Stunden-Pflichtfortbildung für Notfallsanitäter. ÄLRD-Curricula, flexible Formate und Nachweispflichten im Überblick.

Jetzt lesen
🚑Rettungsdienst11 Min

Crew Resource Management im Rettungsdienst: Sicherer arbeiten im Team

CRM-Prinzipien für den präklinischen Einsatz: 10-für-10-Prinzip, Closed-Loop-Kommunikation, strukturierte Übergabe und Fehlermanagement unter Stress.

Jetzt lesen
🚑Rettungsdienst14 Min

Pädiatrische Notfälle im Rettungsdienst: Sicher handeln bei den Kleinsten

Besonderheiten pädiatrischer Notfälle: Altersabhängige Vitalwerte, Broselow-System, häufige Notfallbilder und Kommunikation mit Eltern.

Jetzt lesen
Alle Fachartikel durchsuchen

Weitere Artikel in Rettungsdienst

VorherigerCrew Resource Management im Rettungsdienst: Sicherer arbeiten im Team
NächsterPädiatrische Notfälle im Rettungsdienst: Sicher handeln bei den Kleinsten
Weiterbildung

Noch Fragen? Wir beraten Sie gerne.

Ob Seminar, Fortbildung oder individuelle Beratung, wir finden gemeinsam das passende Angebot für Sie und Ihr Team.

Seminare entdecken Kontakt aufnehmen

Freies Informationsangebot zur eigenständigen Nutzung. Kein Fernunterricht im Sinne des FernUSG. Es findet keine Überwachung des Lernerfolgs statt.