Aus der Praxis
Warum Medikamentenmanagement im Rettungsdienst besonders ist
Die 5R-Regel in der Notfallmedizin
Richtiger Patient
Auch im Notfall muss sichergestellt werden, dass das Medikament dem richtigen Patienten verabreicht wird. Bei mehreren Patienten an einer Einsatzstelle ist eine klare Zuordnung unverzichtbar. Nutzen Sie Patientenarmbänder oder farbige Markierungen bei Großschadenslagen. Im Zweierteam: klare Zuordnung, wer welchen Patienten versorgt.
Richtiges Medikament
Lesen Sie den Namen auf der Ampulle laut vor, bevor Sie das Medikament aufziehen. Verwechslungen zwischen ähnlich aussehenden Ampullen (Look-Alike) oder ähnlich klingenden Namen (Sound-Alike) sind eine der häufigsten Fehlerquellen. Viele Rettungsdienstbereiche setzen auf farbcodierte Ampullen und standardisierte Medikamententaschen.
Richtige Dosis
Dosisberechnungen unter Stress sind fehleranfällig. Nutzen Sie vorberechnete Dosistabellen, Dosierungskarten oder digitale Hilfsmittel. Besonders bei pädiatrischen Notfällen ist eine gewichtsadaptierte Dosisberechnung unverzichtbar. Das Vier-Augen-Prinzip bei der Dosiskontrolle sollte immer angestrebt werden.
Richtiger Zeitpunkt
Manche Medikamente müssen sofort verabreicht werden (Adrenalin bei Anaphylaxie), andere erst nach Diagnostik (Amiodaron erst nach Rhythmusanalyse). Die Kenntnis der korrekten Indikation und des richtigen Applikationszeitpunkts ist ebenso wichtig wie die Dosis selbst. Dokumentieren Sie den Zeitpunkt jeder Gabe präzise.
Richtiger Applikationsweg
Intravenös, intraossär, inhalativ, intranasal oder intramuskulär: Der Applikationsweg beeinflusst Wirkungseintritt und Dosierung erheblich. Adrenalin 1:1000 wird intramuskulär bei Anaphylaxie gegeben, Adrenalin 1:10000 intravenös bei Reanimation. Eine Verwechslung kann lebensbedrohliche Folgen haben.
Wichtige Notfallmedikamente im Überblick
Adrenalin (Epinephrin)
Leitmedikament bei Reanimation und Anaphylaxie. Dosierung bei Reanimation: 1 mg i.v. alle 3 bis 5 Minuten. Bei Anaphylaxie: 0,3 bis 0,5 mg i.m. (Erwachsene). Beachten Sie die unterschiedlichen Konzentrationen und Applikationswege.
Amiodaron
Antiarrhythmikum bei schockrefraktärem Kammerflimmern und pulsloser ventrikulärer Tachykardie. Erstdosis 300 mg i.v. als Bolus, zweite Dosis 150 mg. Langsame Injektion über mindestens 3 Minuten bei hämodynamisch stabilen Rhythmusstörungen.
Midazolam
Benzodiazepin zur Therapie von Krampfanfällen und zur Sedierung. Intranasale Gabe bei Status epilepticus ohne i.v.-Zugang möglich (0,2 mg/kg). Atemdepression als wichtigste Nebenwirkung beachten, Flumazenil als Antagonist bereithalten.
Ketamin
Dissoziatives Anästhetikum zur Analgesie und Narkoseeinleitung. Analgetische Dosis: 0,25 bis 0,5 mg/kg i.v. Narkosedosis: 1 bis 2 mg/kg i.v. Vorteil: geringe Kreislaufdepression. Wichtig: Speichelfluss und psychomimetische Nebenwirkungen berücksichtigen.
Fehlervermeidung und Dokumentation
Selbstcheck
Kann ich die 5R-Regel im Schlaf aufsagen und in jeder Einsatzsituation anwenden?
Kenne ich die Dosierungen der wichtigsten Notfallmedikamente für Erwachsene und Kinder?
Beherrsche ich die Verdünnungsberechnung für Adrenalin 1:1000 auf 1:10000?
Nutze ich vorberechnete Dosistabellen oder digitale Hilfsmittel zur Fehlerreduktion?
Dokumentiere ich jede Medikamentengabe lückenlos im Einsatzprotokoll?
Melde ich Beinahe-Fehler im CIRS-System, um systemische Verbesserungen zu ermöglichen?
Kontrolliere ich regelmäßig die Verfallsdaten und die Vollständigkeit meiner Medikamententasche?
Nächster Schritt: Fortbildung
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