Aus der Praxis
MR-Sicherheitsklassifikation von Implantaten
MR Safe (MR-sicher)
Das Implantat stellt in jeder MR-Umgebung kein bekanntes Risiko dar. Es besteht aus nichtmetallischen, nichtmagnetischen und nicht leitfähigen Materialien. Beispiele: bestimmte Kunststoffimplantate, einige Keramikgelenkersätze. Diese Kategorie ist die unkomplizierteste, kommt aber relativ selten vor.
MR Conditional (MR-bedingt sicher)
Das Implantat kann unter definierten Bedingungen sicher in der MRT untersucht werden. Die Bedingungen betreffen typischerweise die Feldstärke (z.B. nur bis 1,5 Tesla), die SAR-Grenzen (spezifische Absorptionsrate), die Gradientenstärke, die Positionierung und den zeitlichen Abstand zur Implantation. Diese Bedingungen müssen im Implantatpass dokumentiert sein und exakt eingehalten werden.
MR Unsafe (MR-unsicher)
Das Implantat stellt ein bekanntes Risiko in der MR-Umgebung dar und ist eine absolute Kontraindikation für die MRT. Beispiele: ältere Herzschrittmacher, bestimmte Cochlea-Implantate, ferromagnetische Gefäßclips. Diese Implantate können durch das Magnetfeld bewegt, erhitzt oder in ihrer Funktion gestört werden. Eine MRT-Untersuchung ist unter keinen Umständen durchführbar.
Häufige Implantate in der MRT-Praxis
Herzschrittmacher und ICDs
Moderne MR-conditional Schrittmacher können unter strengen Auflagen gescannt werden. Voraussetzung: Umprogrammierung durch den Kardiologen in den MR-Modus vor der Untersuchung, Rückprogrammierung danach. Monitoring des Patienten während der gesamten Untersuchung. Ältere Schrittmacher sind oft MR-unsafe.
Hüft- und Kniegelenkersatz
Die meisten modernen Hüft- und Knie-Totalendoprothesen aus Titan oder Titanlegierungen sind MR-conditional und können bei 1,5 und 3 Tesla sicher gescannt werden. Lokale Artefakte im Bereich des Implantats sind zu erwarten. Metallartefaktreduktionssequenzen (MARS) können die Bildqualität verbessern.
Cochlea-Implantate
Neuere Cochlea-Implantate sind teilweise MR-conditional (meist nur bei 1,5 Tesla mit internem Magneten). Der interne Magnet kann sich im MR-Feld drehen und muss ggf. chirurgisch fixiert oder entfernt werden. Enge Rücksprache mit dem implantierenden HNO-Arzt ist erforderlich.
Wirbelsäulenimplantate
Pedikelschrauben, Cages und Stabilisatoren aus Titan sind in der Regel MR-conditional. Beachten: Wartezeit nach Implantation (typischerweise 6 Wochen), maximale SAR-Werte und lokale Erwärmungsrisiken. Der Implantatpass enthält die spezifischen Scanparameter, die eingehalten werden müssen.
Screening-Protokoll vor der MRT
Die sicherste MRT-Untersuchung ist die, bei der alle Risiken vor dem Scan erkannt und adressiert wurden. Ein gutes Screening ist die halbe Sicherheit.
Selbstcheck
Kann ich die drei MR-Sicherheitsklassifikationen (Safe, Conditional, Unsafe) erklären und unterscheiden?
Weiß ich, welche Informationen der Implantatpass enthalten muss?
Kenne ich die spezifischen Scanbedingungen für die häufigsten MR-conditional Implantate?
Führe ich bei jedem Patienten ein standardisiertes MR-Sicherheitsscreening durch?
Weiß ich, was bei einem MR-conditional Herzschrittmacher vor und nach der Untersuchung organisiert werden muss?
Kenne ich die Eskalationswege bei unklarer Implantatsituation?
Dokumentiere ich die Ergebnisse des MR-Screenings für jeden Patienten?
Nächster Schritt: Beratung
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