Aus der Praxis
KI-Anwendungen in der Radiologie: Ein Überblick
Wie KI in der Bildgebung funktioniert
Training mit Bilddaten
KI-Modelle für die Radiologie werden mit großen Datensätzen annotierter medizinischer Bilder trainiert. Ein Modell zur Erkennung von Lungenrundherden lernt beispielsweise aus tausenden CT-Thorax-Aufnahmen, in denen Radiologen die Rundherde markiert haben. Die Qualität und Repräsentativität der Trainingsdaten bestimmt die Leistungsfähigkeit des Modells entscheidend.
Detektion und Klassifikation
Nach dem Training kann das Modell auf neuen Bildern verdächtige Regionen erkennen (Detektion), sie einer Kategorie zuordnen (Klassifikation, z.B. maligne versus benigne) und einen Konfidenzwert ausgeben. Dieser Konfidenzwert gibt an, wie sicher sich das Modell in seiner Einschätzung ist. Ein hoher Konfidenzwert bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Einschätzung korrekt ist.
Integration in den klinischen Workflow
KI-Ergebnisse werden typischerweise als Overlay auf dem Originalbild oder als strukturierter Befundvorschlag in das PACS (Picture Archiving and Communication System) integriert. Worklist-Priorisierungen sortieren Untersuchungen nach klinischer Dringlichkeit. MTR sind häufig die ersten, die KI-Ergebnisse sehen und deren Plausibilität einschätzen können.
Qualitätssicherung und Feedback
KI-Systeme müssen kontinuierlich überwacht werden. Falsch-positive Befunde (die KI markiert etwas, das kein pathologischer Befund ist) und falsch-negative Befunde (die KI übersieht einen relevanten Befund) müssen systematisch erfasst werden. MTR können durch strukturiertes Feedback zur Verbesserung der KI-Systeme beitragen und spielen eine zentrale Rolle bei der Qualitätskontrolle.
Auswirkungen auf den MTR-Workflow
Automatische Bildqualitätskontrolle
KI kann Bilder automatisch auf technische Qualitätsmerkmale prüfen (Positionierung, Belichtung, Artefakte) und sofortige Rückmeldung geben. MTR erhalten ein objektives Feedback zu ihrer Arbeit und können Nachuntersuchungen reduzieren.
Worklist-Priorisierung
KI-basierte Triage sortiert Untersuchungen nach Dringlichkeit. Kritische Befunde wie intrakranielle Blutungen oder Pneumothorax werden automatisch priorisiert. MTR können diese Priorisierung nutzen, um die Reihenfolge der Bildnachverarbeitung anzupassen.
Automatische Quantifizierung
Aufgaben wie die Volumetrie von Lungenrundherden, die Messung der Leberverfettung oder die Berechnung von Ejektionsfraktionen im Kardio-MRT können durch KI automatisiert werden. MTR können die Ergebnisse validieren und dem Radiologen aufbereitet vorlegen.
Befundunterstützung
Strukturierte Befundvorschläge der KI können den Befundungsprozess beschleunigen. MTR spielen eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung dieser KI-generierten Vorlagen und der Sicherstellung, dass alle relevanten Bilder und Messungen korrekt vorliegen.
Grenzen und ethische Aspekte
KI wird Radiologen nicht ersetzen, aber Radiologen, die KI nutzen, werden Radiologen ersetzen, die KI nicht nutzen.
Die Rolle der MTR als KI-Supervisoren
Selbstcheck
Verstehe ich grundlegend, wie ein KI-Modell für die Bildgebung trainiert wird und arbeitet?
Kann ich die Begriffe Detektion, Klassifikation und Quantifizierung im KI-Kontext erklären?
Weiß ich, welche KI-Anwendungen in meiner Abteilung eingesetzt werden und wie sie in den Workflow integriert sind?
Kann ich zwischen einem falsch-positiven und einem falsch-negativen KI-Ergebnis unterscheiden?
Bin ich mir bewusst, dass KI-Ergebnisse immer durch den Radiologen validiert werden müssen?
Kenne ich die ethischen Herausforderungen (Datenschutz, Transparenz, Bias) von KI in der Radiologie?
Sehe ich mich als aktiven Mitgestalter der KI-Integration in meiner Abteilung?
Nächster Schritt: Fortbildung
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