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Dokumentationspflicht in der Pflege 2026: Was sich ändert

Alle relevanten Änderungen zur Dokumentationspflicht in der Pflege ab 2026. Neue Anforderungen, digitale Standards und Compliance-Empfehlungen.

DTDennis Tefett|8 Min Lesezeit|Feb 2026Kostenlos
DokumentationGesetzesänderungCompliance

Der rechtliche Rahmen der Dokumentationspflicht

Die Pflegedokumentation ist weit mehr als eine bürokratische Pflicht sie ist ein zentrales Instrument der Qualitätssicherung, der rechtlichen Absicherung und der interprofessionellen Kommunikation. Die Dokumentationspflicht in der Pflege ergibt sich aus einer Vielzahl von Rechtsquellen: dem Bürgerlichen Gesetzbuch, den Sozialgesetzbüchern, den Landespflegegesetzen, dem Pflegeberufegesetz sowie den vertraglichen Vereinbarungen mit Kostenträgern. Ab 2026 treten mehrere Anpassungen in Kraft, die sowohl neue Anforderungen stellen als auch Erleichterungen durch Digitalisierung und Entbürokratisierung bringen. Pflegeeinrichtungen müssen sich frühzeitig mit diesen Änderungen auseinandersetzen, um rechtssicher und effizient zu dokumentieren.

Was sich 2026 konkret ändert

1

Verpflichtende digitale Dokumentation

Ab 2026 wird die elektronische Pflegedokumentation in stationären Einrichtungen zum Standard. Die Umstellung von papierbasierten auf digitale Systeme wird durch Förderprogramme des Bundes unterstützt. Einrichtungen, die noch keine elektronische Dokumentation eingeführt haben, müssen bis Ende 2026 umstellen. Die digitale Dokumentation muss den Anforderungen an Datenschutz, Datensicherheit und Revisionssicherheit entsprechen.

2

Strukturmodell als Dokumentationsstandard

Das Strukturmodell zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation (SIS) wird als empfohlener Standard in den Qualitätsprüfungsrichtlinien verankert. Die Strukturierte Informationssammlung, die Maßnahmenplanung, der Berichteblatt-Ansatz und die Evaluation bilden die vier Elemente, die eine schlanke, aber aussagekräftige Dokumentation ermöglichen. Einrichtungen, die das Strukturmodell konsequent umsetzen, berichten von einer Zeitersparnis von bis zu 30 Prozent.

3

Erweiterte Anforderungen an die Ergebnisqualität

Die Qualitätsindikatoren des neuen Prüfsystems werden um digitale Nachweispflichten ergänzt. Pflegeergebnisse müssen systematisch erfasst, ausgewertet und den Prüfbehörden auf Anfrage elektronisch zur Verfügung gestellt werden. Die Bewertung der Dokumentationsqualität wird zunehmend datenbasiert erfolgen, was eine konsistente und vollständige elektronische Dokumentation voraussetzt.

4

Interoperabilitätsstandards

Neue Interoperabilitätsanforderungen stellen sicher, dass verschiedene digitale Systeme Pflegedokumentation, Arztinformationssystem, Apothekensoftware miteinander kommunizieren können. Die Einführung standardisierter Schnittstellen (HL7 FHIR) soll den Datenaustausch zwischen Einrichtungen und Sektoren verbessern und Doppeldokumentation reduzieren. Einrichtungen sollten bei der Auswahl und Aktualisierung ihrer Software auf die Konformität mit diesen Standards achten.

Haftungsrechtliche Bedeutung

Die Pflegedokumentation ist im Streitfall ein zentrales Beweismittel. Der Grundsatz 'Nicht dokumentiert ist nicht durchgeführt' gilt vor Gericht als Orientierungsmaßstab. Eine lückenhafte oder fehlerhafte Dokumentation kann im Haftungsfall zu einer Beweislastumkehr führen die Einrichtung muss dann beweisen, dass die Pflege ordnungsgemäß erfolgte.

Qualitätssicherung

Die Dokumentation bildet die Grundlage für die interne und externe Qualitätssicherung. Sie ermöglicht die systematische Auswertung von Pflegeergebnissen, die Identifikation von Verbesserungspotenzialen und den Nachweis der Pflegequalität gegenüber Kostenträgern und Prüfbehörden. Eine gute Dokumentation ist damit ein Instrument der Organisationsentwicklung.

Interprofessionelle Kommunikation

Die Pflegedokumentation ist das wichtigste Kommunikationsmittel zwischen den an der Versorgung beteiligten Berufsgruppen. Ärztinnen, Therapeuten, Sozialarbeiterinnen und Pflegefachpersonen greifen auf dieselbe Informationsgrundlage zu. Eine klare, vollständige und aktuelle Dokumentation vermeidet Informationsverluste und stärkt die Patientensicherheit.

Entbürokratisierung

Die neuen Regelungen zielen ausdrücklich auf eine Entlastung der Pflegefachpersonen ab. Doppeldokumentation soll durch digitale Schnittstellen vermieden werden. Das Strukturmodell reduziert den Dokumentationsumfang auf das fachlich Notwendige. KI-gestützte Assistenzsysteme können die Dokumentation zusätzlich vereinfachen und beschleunigen.

Gute Dokumentation schützt nicht nur den Patienten, sondern auch die Pflegekraft. Sie ist kein bürokratischer Aufwand, sondern professionelle Sorgfalt.

Checkliste für die Umstellung auf digitale Dokumentation:
  • Führen Sie eine Bestandsaufnahme Ihrer aktuellen Dokumentationsprozesse durch und identifizieren Sie Optimierungspotenziale.
  • Prüfen Sie, ob Ihre Dokumentationssoftware die neuen Interoperabilitätsstandards (HL7 FHIR) unterstützt.
  • Planen Sie ausreichend Zeit und Budget für die Schulung aller Mitarbeitenden ein digitale Kompetenz ist die Grundvoraussetzung.
  • Stellen Sie sicher, dass Ihre IT-Infrastruktur den Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit entspricht.
  • Definieren Sie klare Verantwortlichkeiten für die Administration und Pflege des digitalen Dokumentationssystems.
  • Nutzen Sie die Förderprogramme des Bundes und der Länder für die Digitalisierung der Pflegedokumentation.
Zeitersparnis durch SIS30% weniger Dokumentationsaufwand

Dokumentiere ich den Pflegeprozess vollständig und zeitnah?

Nutze ich das Strukturmodell (SIS) als Grundlage meiner Dokumentation?

Sind die eingesetzten digitalen Systeme datenschutzkonform und revisionssicher?

Kenne ich die haftungsrechtliche Bedeutung der Pflegedokumentation?

Werden alle Mitarbeitenden regelmäßig in der korrekten Dokumentation geschult?

Erfüllt unsere Software die neuen Interoperabilitätsstandards?

Haben wir einen konkreten Zeitplan für die Umstellung auf digitale Dokumentation?

Nutze ich die Dokumentation als Instrument der Qualitätssicherung und nicht nur als Pflichtaufgabe?

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