Aus der Praxis
Symptomkontrolle als Kern der Palliativversorgung
Management zentraler Symptome
Dyspnoe (Atemnot)
Atemnot ist eines der am meisten gefürchteten Symptome. Niedrig dosierte Opioide (Morphin 2,5 bis 5 mg oral oder 1 bis 2 mg subkutan) sind die wirksamste medikamentöse Intervention. Nichtmedikamentöse Maßnahmen: Ventilator oder offenes Fenster (Trigeminusreiz im Gesicht), aufrechte Lagerung, atemerleichternde Positionen (Kutschersitz), beruhigende Präsenz. Sauerstoff hilft nur bei nachgewiesener Hypoxie, nicht bei subjektiver Atemnot ohne Desaturation.
Übelkeit und Erbrechen
Die Ursachenanalyse ist entscheidend für die Therapiewahl. Häufige Ursachen: Opioide (Metoclopramid, Haloperidol), erhöhter Hirndruck (Dexamethason), Obstipation (Laxantien), Angst (Lorazepam). Bei opioidinduzierter Übelkeit tritt häufig nach einigen Tagen eine Toleranzentwicklung ein. Eine prophylaktische Antiemese bei Opioidbeginn kann sinnvoll sein.
Obstipation
Nahezu alle Patienten unter Opioidtherapie entwickeln eine Obstipation, gegen die keine Toleranz entsteht. Eine prophylaktische Laxantiengabe ist daher obligat. Stufenschema: Macrogol oder Natriumpicosulfat als Basis, bei Versagen rektale Maßnahmen (Suppositorien, Klistier). Ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Mobilisation unterstützen die Therapie, soweit der Zustand des Patienten dies erlaubt.
Angst und Unruhe
Angst ist ein häufiger Begleiter der letzten Lebensphase. Nichtpharmakologische Maßnahmen stehen an erster Stelle: ruhige Umgebung, vertraute Bezugspersonen, aktives Zuhören, Atemübungen. Bei ausgeprägter Angst können Benzodiazepine (Lorazepam 0,5 bis 1 mg sublingual) eingesetzt werden. Midazolam subkutan oder intranasal ist eine Option bei akuter Angst oder terminaler Unruhe.
Palliative Sedierung
Palliativmedizin fügt dem Leben nicht Tage hinzu, sondern dem Tag Leben.
Selbstcheck
Kann ich die häufigsten Symptome in der Palliativsituation benennen und deren medikamentöse und nichtmedikamentöse Behandlungsoptionen erklären?
Kenne ich die Assessmentinstrumente MIDOS und ESAS und setze ich sie regelmäßig ein?
Weiß ich, warum niedrig dosierte Opioide bei Dyspnoe wirksam sind, auch wenn keine Schmerzen vorliegen?
Ist mir bewusst, dass die prophylaktische Laxantiengabe bei Opioidtherapie obligat ist?
Kann ich die Indikationen und ethischen Voraussetzungen der palliativen Sedierung erläutern?
Kenne ich den Unterschied zwischen palliativer Sedierung und aktiver Sterbehilfe?
Dokumentiere ich Symptomverläufe systematisch und leite daraus therapeutische Konsequenzen ab?
Nächster Schritt: Fortbildung
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