Psychische Belastungen in der Pflege
Emotionale Erschöpfung
Das Gefühl, emotional ausgelaugt und kraftlos zu sein, ist das Kernsymptom des Burnout. Pflegekräfte berichten von dem Empfinden, nichts mehr geben zu können, obwohl die Anforderungen unvermindert hoch sind. Die Freude an der Arbeit schwindet und wird durch innere Leere ersetzt.
Depersonalisation
Als Schutzmechanismus entwickeln belastete Pflegekräfte eine emotionale Distanz zu Patientinnen und Patienten. Sie behandeln Menschen zunehmend als Fälle statt als Individuen. Diese Abstumpfung widerspricht dem eigenen Berufsverständnis und verstärkt den inneren Konflikt.
Reduzierte Leistungsfähigkeit
Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit und das Gefühl, den Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein, beeinträchtigen die Arbeitsleistung. Die daraus resultierende Unsicherheit führt zu zusätzlichem Stress und einem Teufelskreis der Überforderung.
Was Führungskräfte konkret tun können
Frühwarnsignale erkennen
Führungskräfte sollten geschult sein, Anzeichen psychischer Belastung bei ihren Mitarbeitenden frühzeitig zu erkennen. Veränderungen im Verhalten häufigere Fehlzeiten, sozialer Rückzug, erhöhte Reizbarkeit, sinkende Sorgfalt bei der Dokumentation oder ungewöhnliche Konflikte im Team können auf eine psychische Krise hindeuten. Entscheidend ist, dass Führungskräfte aktiv das Gespräch suchen, ohne zu diagnostizieren oder zu bewerten, sondern mit ehrlichem Interesse an der Person.
Offene Gesprächskultur etablieren
Psychische Belastung darf kein Tabuthema sein. Führungskräfte, die offen über Stress und Belastung sprechen auch über eigene Erfahrungen entlasten ihr Team von der Angst, als schwach wahrgenommen zu werden. Regelmäßige Teambesprechungen, in denen auch emotionale Themen Platz haben, und niedrigschwellige Gesprächsangebote sind wichtige Bausteine einer gesundheitsförderlichen Führung.
Strukturelle Belastungen reduzieren
Viele psychische Belastungen haben strukturelle Ursachen, die Führungskräfte aktiv beeinflussen können: faire Dienstplangestaltung mit ausreichend Erholungszeiten, klare Zuständigkeiten, realistische Personalschlüssel und eine Aufgabenverteilung, die Überlastung einzelner Teammitglieder vermeidet. Auch die Reduzierung bürokratischer Anforderungen und die Bereitstellung funktionierender Arbeitsmittel tragen zur Entlastung bei.
Resilienzfördernde Maßnahmen implementieren
Supervision, kollegiale Beratung, Achtsamkeitsangebote und regelmäßige Fortbildungen zu Stressbewältigung stärken die individuelle Widerstandskraft der Mitarbeitenden. Führungskräfte sollten diese Angebote nicht nur bereitstellen, sondern ihre Nutzung aktiv fördern und selbst als Vorbild vorangehen. Auch Teamrituale wie gemeinsame Reflexionsrunden nach belastenden Situationen fördern die kollektive Resilienz.
Professionelle Unterstützung vermitteln
Führungskräfte sind keine Therapeuten und sollten diese Rolle auch nicht übernehmen. Ihre Aufgabe ist es, psychisch belastete Mitarbeitende an professionelle Anlaufstellen zu vermitteln: betriebliche Sozialberatung, Employee Assistance Programs, psychologische Beratungsstellen oder therapeutische Angebote. Wichtig ist, dass die Information über diese Angebote proaktiv kommuniziert wird und nicht erst im Krisenfall.
Wer andere pflegt, muss zuerst für sich selbst sorgen. Führung bedeutet, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.
- Deutlich erhöhte Fehlzeiten oder auffällige Häufung von Kurzerkrankungen
- Sozialer Rückzug: Mitarbeitende meiden Teambesprechungen, Pausen oder gemeinsame Aktivitäten
- Stimmungsschwankungen, erhöhte Reizbarkeit oder ungewöhnliche emotionale Reaktionen
- Nachlassende Sorgfalt bei Dokumentation, Medikamentenvergabe oder Hygienestandards
- Zynische Äußerungen über Patientinnen und Patienten oder den Pflegeberuf insgesamt
- Übermäßiger Alkohol- oder Substanzkonsum, der von Kolleginnen und Kollegen bemerkt wird
Selbstfürsorge für Führungskräfte
Kenne ich die typischen Frühwarnsignale psychischer Belastung bei meinen Mitarbeitenden?
Führe ich regelmäßig vertrauliche Einzelgespräche, in denen auch emotionale Themen Raum haben?
Ist psychische Gesundheit in meinem Team ein besprechbares Thema ohne Stigma?
Habe ich strukturelle Maßnahmen ergriffen, um vermeidbare Belastungen zu reduzieren?
Biete ich meinem Team Zugang zu Supervision, kollegialer Beratung oder psychologischer Unterstützung?
Kenne ich die professionellen Anlaufstellen, an die ich belastete Mitarbeitende vermitteln kann?
Achte ich auf meine eigene psychische Gesundheit und nutze ich selbst Unterstützungsangebote?
Reflektiere ich regelmäßig, ob mein Führungsverhalten zur Entlastung oder zur Belastung meines Teams beiträgt?
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