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Psychische Gesundheit von Pflegekräften: Was Führungskräfte tun können

Evidenzbasierte Maßnahmen für die psychische Gesundheit Ihrer Pflegeteams. Von Burnout-Prävention bis resilienzfördernder Führungskultur.

DTDennis Tefett|12 Min Lesezeit|Feb 2026Kostenlos
Burnout-PräventionResilienzFürsorge

Psychische Belastungen in der Pflege

Pflegefachpersonen gehören zu den am stärksten psychisch belasteten Berufsgruppen im Gesundheitswesen. Die Kombination aus hoher emotionaler Beanspruchung, Zeitdruck, Personalmangel, Schichtarbeit und der permanenten Konfrontation mit Leid und Tod schafft ein Arbeitsumfeld, das die psychische Gesundheit erheblich gefährdet. Studien zeigen, dass Pflegekräfte ein signifikant höheres Risiko für Burnout, Depressionen und Angststörungen tragen als Beschäftigte in anderen Branchen. Für Führungskräfte ergibt sich daraus eine doppelte Verantwortung: Sie müssen sowohl für die eigene psychische Gesundheit sorgen als auch Rahmenbedingungen schaffen, die das Wohlbefinden ihrer Teams schützen und fördern. Psychische Gesundheitsförderung ist kein weiches Thema, sondern eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit denn psychisch belastete Mitarbeitende sind häufiger krank, machen mehr Fehler und verlassen die Einrichtung schneller.

Emotionale Erschöpfung

Das Gefühl, emotional ausgelaugt und kraftlos zu sein, ist das Kernsymptom des Burnout. Pflegekräfte berichten von dem Empfinden, nichts mehr geben zu können, obwohl die Anforderungen unvermindert hoch sind. Die Freude an der Arbeit schwindet und wird durch innere Leere ersetzt.

Depersonalisation

Als Schutzmechanismus entwickeln belastete Pflegekräfte eine emotionale Distanz zu Patientinnen und Patienten. Sie behandeln Menschen zunehmend als Fälle statt als Individuen. Diese Abstumpfung widerspricht dem eigenen Berufsverständnis und verstärkt den inneren Konflikt.

Reduzierte Leistungsfähigkeit

Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit und das Gefühl, den Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein, beeinträchtigen die Arbeitsleistung. Die daraus resultierende Unsicherheit führt zu zusätzlichem Stress und einem Teufelskreis der Überforderung.

Was Führungskräfte konkret tun können

1

Frühwarnsignale erkennen

Führungskräfte sollten geschult sein, Anzeichen psychischer Belastung bei ihren Mitarbeitenden frühzeitig zu erkennen. Veränderungen im Verhalten häufigere Fehlzeiten, sozialer Rückzug, erhöhte Reizbarkeit, sinkende Sorgfalt bei der Dokumentation oder ungewöhnliche Konflikte im Team können auf eine psychische Krise hindeuten. Entscheidend ist, dass Führungskräfte aktiv das Gespräch suchen, ohne zu diagnostizieren oder zu bewerten, sondern mit ehrlichem Interesse an der Person.

2

Offene Gesprächskultur etablieren

Psychische Belastung darf kein Tabuthema sein. Führungskräfte, die offen über Stress und Belastung sprechen auch über eigene Erfahrungen entlasten ihr Team von der Angst, als schwach wahrgenommen zu werden. Regelmäßige Teambesprechungen, in denen auch emotionale Themen Platz haben, und niedrigschwellige Gesprächsangebote sind wichtige Bausteine einer gesundheitsförderlichen Führung.

3

Strukturelle Belastungen reduzieren

Viele psychische Belastungen haben strukturelle Ursachen, die Führungskräfte aktiv beeinflussen können: faire Dienstplangestaltung mit ausreichend Erholungszeiten, klare Zuständigkeiten, realistische Personalschlüssel und eine Aufgabenverteilung, die Überlastung einzelner Teammitglieder vermeidet. Auch die Reduzierung bürokratischer Anforderungen und die Bereitstellung funktionierender Arbeitsmittel tragen zur Entlastung bei.

4

Resilienzfördernde Maßnahmen implementieren

Supervision, kollegiale Beratung, Achtsamkeitsangebote und regelmäßige Fortbildungen zu Stressbewältigung stärken die individuelle Widerstandskraft der Mitarbeitenden. Führungskräfte sollten diese Angebote nicht nur bereitstellen, sondern ihre Nutzung aktiv fördern und selbst als Vorbild vorangehen. Auch Teamrituale wie gemeinsame Reflexionsrunden nach belastenden Situationen fördern die kollektive Resilienz.

5

Professionelle Unterstützung vermitteln

Führungskräfte sind keine Therapeuten und sollten diese Rolle auch nicht übernehmen. Ihre Aufgabe ist es, psychisch belastete Mitarbeitende an professionelle Anlaufstellen zu vermitteln: betriebliche Sozialberatung, Employee Assistance Programs, psychologische Beratungsstellen oder therapeutische Angebote. Wichtig ist, dass die Information über diese Angebote proaktiv kommuniziert wird und nicht erst im Krisenfall.

Wer andere pflegt, muss zuerst für sich selbst sorgen. Führung bedeutet, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.

Warnsignale, die Führungskräfte beachten sollten:
  • Deutlich erhöhte Fehlzeiten oder auffällige Häufung von Kurzerkrankungen
  • Sozialer Rückzug: Mitarbeitende meiden Teambesprechungen, Pausen oder gemeinsame Aktivitäten
  • Stimmungsschwankungen, erhöhte Reizbarkeit oder ungewöhnliche emotionale Reaktionen
  • Nachlassende Sorgfalt bei Dokumentation, Medikamentenvergabe oder Hygienestandards
  • Zynische Äußerungen über Patientinnen und Patienten oder den Pflegeberuf insgesamt
  • Übermäßiger Alkohol- oder Substanzkonsum, der von Kolleginnen und Kollegen bemerkt wird
ℹ️

Selbstfürsorge für Führungskräfte

Führungskräfte in der Pflege sind selbst einem hohen Burnout-Risiko ausgesetzt. Planen Sie bewusst Erholungszeiten, nutzen Sie Supervisionsangebote und pflegen Sie Interessen außerhalb der Arbeit. Eine Führungskraft, die ihre eigenen Grenzen respektiert, ist ein starkes Vorbild für das gesamte Team.

Kenne ich die typischen Frühwarnsignale psychischer Belastung bei meinen Mitarbeitenden?

Führe ich regelmäßig vertrauliche Einzelgespräche, in denen auch emotionale Themen Raum haben?

Ist psychische Gesundheit in meinem Team ein besprechbares Thema ohne Stigma?

Habe ich strukturelle Maßnahmen ergriffen, um vermeidbare Belastungen zu reduzieren?

Biete ich meinem Team Zugang zu Supervision, kollegialer Beratung oder psychologischer Unterstützung?

Kenne ich die professionellen Anlaufstellen, an die ich belastete Mitarbeitende vermitteln kann?

Achte ich auf meine eigene psychische Gesundheit und nutze ich selbst Unterstützungsangebote?

Reflektiere ich regelmäßig, ob mein Führungsverhalten zur Entlastung oder zur Belastung meines Teams beiträgt?

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