Aus der Praxis
Beatmungsmodi im Überblick
SIMV (Synchronized Intermittent Mandatory Ventilation)
Kombination aus mandatorischen maschinellen Atemhüben und spontanen Atemzügen des Patienten. Die maschinellen Hübe werden mit der Eigenatmung synchronisiert. Wird häufig als Übergangsmodus im Weaning eingesetzt, da die maschinelle Unterstützung schrittweise reduziert werden kann.
ASB / PSV (Assisted Spontaneous Breathing / Pressure Support)
Der Patient löst jeden Atemzug selbst aus, die Maschine unterstützt mit einem einstellbaren Druckniveau. Das Atemzugvolumen variiert je nach Patientenanstrengung. Dieser Modus trainiert die Atemmuskulatur und ist ein wichtiger Schritt Richtung Entwöhnung.
CPAP (Continuous Positive Airway Pressure)
Der Patient atmet vollständig spontan, die Maschine liefert lediglich einen kontinuierlichen positiven Atemwegsdruck (PEEP). CPAP verhindert ein Kollabieren der Alveolen und verbessert die Oxygenierung. Dieser Modus entspricht nahezu der Spontanatmung und ist häufig der letzte Schritt vor der Extubation.
Weaning: Kategorien und Vorgehen
Kategorie 1: Einfaches Weaning
Der Patient besteht den ersten SBT und wird erfolgreich extubiert. Dies betrifft etwa 60 bis 70 Prozent aller beatmeten Patienten. Die Voraussetzungen für den SBT sind: ausreichende Oxygenierung (PaO2/FiO2 > 150), hämodynamische Stabilität, wacher und kooperativer Patient, Hustenstoß vorhanden. Der SBT dauert 30 bis 120 Minuten unter T-Stück oder niedrigem ASB (maximal 7 cmH2O).
Kategorie 2: Schwieriges Weaning
Der Patient benötigt bis zu drei SBT-Versuche oder bis zu sieben Tage nach dem ersten SBT, um erfolgreich entwöhnt zu werden. Häufige Ursachen für das Scheitern sind: unzureichende Atemmuskelkraft, kardiale Belastungsintoleranz, Angst oder Delir. Hier werden Strategien wie inspiratorisches Muskeltraining, optimierte Ernährung, Behandlung kardialer Komorbiditäten und psychologische Unterstützung eingesetzt.
Kategorie 3: Prolongiertes Weaning
Mehr als drei gescheiterte SBT-Versuche oder mehr als sieben Tage Weaning nach dem ersten SBT. Diese Patienten profitieren häufig von einer Verlegung in ein spezialisiertes Weaningzentrum. Ein Tracheostoma wird bei prolongiertem Weaning oft nach 10 bis 14 Tagen invasiver Beatmung erwogen, da es die Sedierung reduziert, die Mundpflege erleichtert und die Mobilisation verbessert.
DOPES: Systematische Problemanalyse bei Beatmung
Weaning beginnt nicht am Tag der Extubation, sondern am Tag der Intubation. Jede Maßnahme am beatmeten Patienten sollte die Frage einschließen: Bringt uns das der Entwöhnung näher?
Selbstcheck
Kann ich die Beatmungsmodi SIMV, ASB und CPAP erklären und ihre Rolle im Weaningprozess einordnen?
Kenne ich die drei Weaningkategorien und deren Abgrenzungskriterien?
Bin ich in der Lage, die Voraussetzungen für einen Spontanatmungsversuch (SBT) zu benennen?
Kann ich den RSBI (Rapid Shallow Breathing Index) berechnen und interpretieren (RSBI = Atemfrequenz / Tidalvolumen in Litern, Schwellenwert < 105)?
Weiß ich, wann eine Tracheotomie im Weaningprozess erwogen werden sollte?
Kann ich das DOPES-Schema bei akuter Verschlechterung eines beatmeten Patienten anwenden?
Kenne ich die pflegerischen Maßnahmen zur VAP-Prävention (Oberkörperhochlagerung, Mundpflege, Cuff-Druckkontrolle)?
Nächster Schritt: Fortbildung
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