Refresher Zentrum · Fachhandout Tag 5 · zum Selbsteinlesen

Tag 5 · Fachhandout: Schützen, Sichern, Synthese

Die Thromboseprophylaxe sicher durchführen und den Leitfall zusammenführen
Beispielsituation · Beispielkurs · Weiterbildung Intensivpflege

Frau Brinkmann hat viel hinter sich. Ein Sturz, eine Fraktur, eine Operation, mehrere Zugänge und am Vorabend ein beginnendes Delir. Heute, an ihrem siebten Tag auf der Intensivstation, wendet sich ihr Weg zum Guten. Die Prophylaxe greift, ihre Beine bleiben unauffällig, das Delir klingt ab und die Verlegung auf die Normalstation rückt näher. Dieses Handout führt zwei Fäden zusammen. Zuerst zeigt es Ihnen, wie Sie die Thromboseprophylaxe in ihren drei Säulen sicher auswählen und durchführen und wie Sie beim Verdacht auf eine akute Thrombose richtig handeln. Danach blickt es auf Frau Brinkmanns ganzen Weg zurück, von der ersten Übergabe bis zur Verlegung, damit alles Gelernte an einem Fall zusammenfindet.

1. Warum Frau Brinkmann das höchste Risiko trägt

Bevor Sie die Prophylaxe auswählen, halten Sie sich vor Augen, warum Frau Brinkmann so gefährdet ist. Die drei Entstehungsbedingungen der Thrombose, die Virchow-Trias, sind bei ihr gleichzeitig und maximal ausgeprägt.

Virchow-FaktorBei Frau Brinkmann konkret
Verlangsamter BlutflussBettruhe und Immobilität legen die Muskelpumpe der Beine still, dazu kommt die kardiale Vorbelastung mit schwächerem Kreislauf
GefäßwandschadenDie frische Operation und die Fremdkörper in den Gefäßen, der zentrale Venenkatheter und die arterielle Kanüle, reizen die Gefäßinnenwand
Erhöhte GerinnungsneigungOperation und Gewebeverletzung aktivieren die Gerinnung, ein Flüssigkeitsmangel dickt das Blut zusätzlich ein

Auf der Normalstation ist die Thromboseprophylaxe wichtig. Bei Frau Brinkmann ist sie überlebenswichtig, weil das Risiko höher und ihre Warnstimme leiser ist.

2. Die drei Säulen der Thromboseprophylaxe

Die Prophylaxe ruht auf drei Säulen. Sie ergänzen sich, keine ersetzt die andere.

Erste Säule: Basisprophylaxe, Bewegung bleibt die beste Medizin

Auch beim liegenden Menschen fällt die wichtigste Prophylaxe nicht aus, sie wechselt nur die ausführende Hand. Bewegung hält das Blut in Fluss.

Zweite Säule: Mechanische Prophylaxe, Strumpf und Wechseldruck

Zwei mechanische Verfahren begegnen Ihnen, beide nur nach ärztlicher Anordnung und nur bei korrekter Anwendung. Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe MTPS üben einen abgestuften Druck auf die Beinvenen aus und unterstützen den venösen Rückstrom. Ihre Wirkung steht und fällt mit der Anwendung. Messen Sie exakt an, ziehen Sie faltenfrei an, ziehen Sie täglich ab und kontrollieren Sie die Haut an Fersen, Knöcheln und Zehen. Ein faltiger oder herabgerollter Strumpf schnürt und schadet mehr als er nützt. Bei schwerer arterieller Durchblutungsstörung, offenen Wunden oder ausgeprägten Hautschäden sind MTPS nicht geeignet, das entscheidet das ärztliche Team.

Die intermittierende pneumatische Kompression IPK arbeitet mit Manschetten um Waden oder Beine, die ein Gerät rhythmisch aufpumpt. So ahmt sie die ausgefallene Muskelpumpe nach und ist gerade beim tief sedierten, vollständig immobilen Menschen wertvoll. Achten Sie auf die richtige Manschettengröße, kontrollieren Sie die Haut unter den Manschetten und überwachen Sie Gerätefunktion und Tragezeiten. Nicht angewendet wird die IPK bei Verdacht auf eine bestehende frische Thrombose sowie bei schweren Durchblutungsstörungen oder ausgedehnten Hautschäden der Beine.

Dritte Säule: Medikamentöse Prophylaxe, angeordnet und sicher gemacht

Bei einer Hochrisikopatientin wie Frau Brinkmann gehört in aller Regel eine medikamentöse Gerinnungshemmung zur Prophylaxe, häufig als Spritze unter die Haut. Angeordnet und dosiert wird sie ausschließlich vom ärztlichen Team, sicher umgesetzt wird sie von der Pflege.

3. Erkennen, wenn niemand klagt

Frau Brinkmann kann in tiefer Sedierung keinen Wadenschmerz melden. Die klassischen Beschwerden fallen als Frühwarnsystem aus, deshalb ersetzt die Pflege sie durch systematische Beobachtung.

4. Wenn der Verdacht auf eine Thrombose kommt

Fällt Ihnen bei Frau Brinkmann ein einseitig geschwollenes, überwärmtes Bein auf oder taucht ein anderer begründeter Verdacht auf, dann zählt jetzt kluges Unterlassen genauso wie richtiges Handeln.

Bei Verdacht auf eine frische Thrombose

Das betroffene Bein wird nicht massiert, nicht ausgestrichen und nicht mit intermittierender pneumatischer Kompression behandelt, denn jede dieser Maßnahmen kann ein Gerinnsel lösen. Lagern Sie die Patientin ruhig, belassen Sie das Bein in Ruhe und melden Sie den Verdacht sofort an das ärztliche Team. Bis die Lage geklärt ist, bleibt die Patientin in Ruhe und die Prophylaxe an diesem Bein ruht.

5. Frau Brinkmanns Weg, die Synthese

Sieben Tage lang haben Sie Frau Brinkmann begleitet. Am letzten Tag lohnt der Blick zurück, denn erst im Zusammenhang zeigt sich, wie eng die Themen dieser Woche verwoben sind.

Kein Baustein stand für sich, erst zusammen ergaben sie einen sicheren Weg. Das ist der Kern professioneller Intensivpflege. Nicht die einzelne Maßnahme rettet, sondern das Zusammenspiel aus Fachwissen, wacher Beobachtung, sicherer Technik und menschlicher Zuwendung.

Das Wichtigste in Kürze
  • Frau Brinkmann trägt ein hohes Thromboserisiko, weil alle drei Faktoren der Virchow-Trias gleichzeitig maximal ausgeprägt sind.
  • Die Prophylaxe ruht auf drei Säulen, der Basisprophylaxe mit Bewegung und Flüssigkeit, der mechanischen Prophylaxe mit MTPS und IPK und der medikamentösen Prophylaxe.
  • MTPS wirken nur faltenfrei und mit täglicher Hautkontrolle, die IPK ersetzt beim Immobilen die Muskelpumpe, beides nur nach ärztlicher Anordnung.
  • Die medikamentöse Prophylaxe ordnet der Arzt an, die Pflege setzt sie sicher um, mit korrekter Technik, wechselnden Stellen und wachem Blick auf Blutungszeichen.
  • Beim sedierten Menschen ersetzt systematische Beobachtung die fehlende Warnstimme, auch die Katheterseite gehört dazu.
  • Bei Verdacht auf eine frische Thrombose wird nicht massiert und nicht komprimiert, das Bein bleibt in Ruhe und der Verdacht gehört sofort in ärztliche Hände.

Selbstlernfragen

  1. Übertragen Sie die Virchow-Trias auf Frau Brinkmanns Situation und nennen Sie zu jedem Faktor zwei intensivspezifische Beispiele.
  2. Nennen Sie die drei Säulen der Thromboseprophylaxe und ordnen Sie jeder Säule mindestens zwei konkrete Maßnahmen zu.
  3. Welche Anwendungsfehler machen MTPS wirkungslos oder gefährlich und wie sieht die tägliche Strumpfroutine korrekt aus?
  4. Erklären Sie das Wirkprinzip der IPK und nennen Sie zwei Situationen, in denen sie nicht angewendet wird.
  5. Wie sichert die Pflege die medikamentöse Prophylaxe ab und auf welche Blutungszeichen achten Sie?
  6. Welche Beobachtungen ersetzen beim sedierten Menschen die geklagte Wadenschmerz-Symptomatik und warum verdient die Katheterseite besondere Aufmerksamkeit?
  7. Was tun Sie und was unterlassen Sie bewusst bei Verdacht auf eine frische Thrombose?
  8. Fassen Sie Frau Brinkmanns Weg über die sieben Tage zusammen und zeigen Sie an drei Beispielen, wie die Themen der Woche zusammenwirken.